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Warum PTC Thingworx übernahm

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: Warum PTC Thingworx übernahm
Bei Product Lifecycle Management (PLM) geht es heute nicht nur um CAx, PDM und Werkzeuge für Collaboration. Jim Heppelmann, CEO von PTC, hat eine dezidierte Sicht dazu: Es sind Techniken wie Application Lifecycle Management (ALM), Service Lifecycle Management (SLM) und andere Lösungen für den Kundendienst, mit denen Unternehmen sich auf eine Zukunft vorbereiten sollten, die längst begonnen hat. PTC hat sich bereits in dieser Hinsicht ausgerichtet und adressiert das, was Heppelmann und zahlreiche andere als eine massive Veränderung der Produktentwicklung beschreiben.

Nach der Vision von PTC wandeln sich Fertigungsunternehmen zu Dienstleistern, gleichzeitig werden die Produkte immer abhängiger von der Qualität der Software, die zu intelligenten Produkten führt. Sobald man dann über Produkte mit Prozessoren und Software verfügt, ist es fast selbstverständlich zu sagen: „Warum weisen wir dem nicht einfach eine IP-Adresse zu und verbinden es mit dem Internet der Dinge (Internet of Things)?“

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Wenn man eine vorzeitige Veröffentlichung mit Sicherheit vermeiden möchte, sind Weihnachten und Neujahr der ideale Zeitpunkt, um eine Firma zu erwerben. Das PLM-Entwicklungsunternehmen PTC gab den Kauf von Thingworx während der Weihnachtsferien bekannt. Der Kaufpreis betrug circa 112 Millionen US-Dollar. Thingworx ist ein führender Anbieter von Lösungen für das Internet der Dinge. Das Unternehmen verstärkt das Software-Portfolio von PTC, indem es die Bedürfnisse von Entwicklern internetbasierter Produkte abdeckt. Und das wird in Zukunft nahezu jeder Hersteller sein.

Ein Durchbruch für M2M

Wenn man die Programmstrategie von PTC verfolgt, stellt der Kauf keine Überraschung dar. Das Internet der Dinge erwies sich als der Hype des vergangenen Jahres. Die Idee von softwarekontrollierten Produkten und Systemen mit Sensoren, die via Internet verknüpft sind (Maschine-zu-Maschine, M2M), hat 2013 zunehmend an Akzeptanz gewonnen.

PTC hat bereits intensiv in Lösungen für den benachbarten SLM-Bereich investiert (Service Lifecycle Management). Mit dem Erwerb von Thingworx signalisiert PTC erneut, dass man einer der führenden Player im schnell wachsenden M2M-Markt sein will. Analysten schätzen, dass das Marktvolumen für Dienstleister in diesem Segment bereits 2012 bei 15 Milliarden US-Dollar lag (Infonetics Research), was rund 10 Milliarden verknüpften Geräten entspricht (Cisco).

Das ist aber nur ein Bruchteil dessen, was man hier erwarten kann. Die Wachstumskurve ist exponentiell. Für 2020 sagen die Analysten von Gartner die Anbindung von 30 Milliarden Geräten, den „Dingen“, voraus. Das Wachstum für M2M-Dienstleistungen wird auf 200 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 geschätzt.

Aber das ist nicht alles. Ein Bericht des McKinsey Global Institute („Disruptive Technologies: Advances that will transform life, business, and the global economy“ – herausgegeben im Mai 2013) geht davon aus, dass 2025 die wirtschaftlichen Effekte durch das Internet der Dinge im Bereich von 2.700 Milliarden bis 6.200 Milliarden US-Dollar liegen. McKinsey geht weiters davon aus, dass 80-100 Prozent aller gefertigten Güter in der einen oder anderen Weise mit dem Internet der Dinge verknüpft sein werden.

Leistungen statt Produkte

Diese Wachstumsvorhersagen sind atemberaubend. Die Zahlen unterstützen den Ansatz von PTC Boss Jim Heppelmann, dass das Internet der Dinge nicht nur die Produktentwicklung, sondern auch den Begriff „Produkt“ revolutionieren wird: wie es betrieben, gewartet und auf den neuesten Stand gebracht wird.

Nach Heppelmann gewinnen Funktionalität und produktbezogene Dienstleistungen für Konsumenten verstärkt an Bedeutung. Man muss das eigentliche Produkt nicht mehr selbst besitzen, die Auslieferung von Produkten entwickelt sich immer mehr zum „Produkt als Service“, wie es Heppelmann ausdrückt.

Mehr und mehr Umsatz in Marktsegmenten wie Farbdrucker, Handys bis hin zu Autos und LKWs wird im Kundenservice generiert. Dieser Trend macht Konzepte wie Service Lifecycle Management (SLM), M2M und das Internet der Dinge immer wichtiger. Unternehmen wie GKN Aero oder Pratt & Whitney werden vermehrt Leistung pro Stunde anstelle von Flugzeugmotoren verkaufen. Und Caterpillar entwickelt Geschäftsmodelle, in denen nicht mehr Radlader und Bagger, sondern Verarbeitungskapazitäten für Fels und Schutt verkauft werden.

In dieser Dienstleistungswirtschaft spielen M2M und das Internet der Dinge jeweils führende Rollen. Mit M2M-Technologien gewährleisten die Hersteller, dass die Kommunikationsbasis, die für die erfolgreiche und sichere Nutzung ihrer Dienstleistungen notwendig ist, auch funktioniert. So können beispielsweise Sensoren darauf aufmerksam machen, dass abgenutzte Teile ausgetauscht werden müssen.

Wenn Grenzen verschwinden

Mehr und mehr Führungskräfte, Software-Entwickler und Analysten stimmen in Bezug auf die Richtung der Produktentwicklung mit Heppelmann überein. Lou Celi von Oxford Economics ist einer dieser Analysten und auch Marc Halpern gehört dazu.

Beim globalen jährlichen PTC Anwendertreffen 2013 in Anaheim waren alle drei einhellig der Meinung, dass man vor einem Paradigmenwechsel stehe. Dabei gehe die Produktentwicklung in Richtung Systems Engineering mit der Integration von Mechanik, Elektronik und Software-Lösungen. Die Grenzen zwischen ERP- und PLM-Systemen lösen sich auf, gleichzeitig unterliegen die Produktdefinitionen massiven Transformationen.

„Die dünne Linie zwischen Produkten und Dienstleistungen verschwimmt immer mehr“, sagt Jim Heppelmann. Er weist ebenfalls darauf hin, dass die Konsumenten selbst diesen Wandel vorantreiben. Sie fordern intelligentere Produkte und sind in höchstem Maße daran interessiert, was man damit alles machen kann. Dienstleistungen werden dabei immer wichtiger.

Alles in allem führen diese verschiedenen Trends zu Produkten, die über „unsichtbare digitale Nabelschnüre“ mit dem Hersteller verbunden sind, so dass dieser mit ihnen interagieren, sie überwachen, verwalten und aktualisieren kann. Der Zusammenhang zwischen dieser Entwicklung und dem „Servisierungskonzept“ von PTC lässt sich leicht erkennen. Der Erwerb der SLM-Lösung Servigistics und jetzt von Thingworx ist eine Reaktion auf das, was Heppelmann die „vollständige Veränderung unserer Art, über Produkte mit Services beziehungsweise über Produkte und Services zu denken nennt.

M2M und das Internet der Dinge

M2M besitzt enormes Wachstumspotenzial. Es ist daher nicht überraschend, dass die großen Spieler am Markt umfangreiche Investitionspläne schmieden. Daraus soll eine Vielzahl an neuen Lösungen für Produktentwickler erwachsen, mit denen diese wiederum Neues für das Internet der Dinge entwickeln können. Natürlich erwartet man sich davon auch einen guten Return on Investment.

„Unsere gesamte Strategie konzentriert sich momentan darauf, Fertigungsunternehmen in diesem Transformationsprozess für die Entwicklung und Servisierung intelligenter und integrierter Produkte zu unterstützen“, sagt Jim Heppelmann. „Es ist offensichtlich für uns, dass für die Fertigungsbranche verbesserte Service-Strategien und Kundendienste in Kürze die „Killer-App“ im Internet der Dinge darstellen werden. Diese Möglichkeiten haben unsere Strategie schon seit einiger Zeit geprägt. Mit dieser Übernahme verfügt PTC über eine Innovationsplattform, die es uns erlaubt, unsere Kunden bei der Ausschöpfung der Möglichkeiten, die sich durch das Internet der Dinge heute bereits ergeben, noch schneller zu unterstützen.“ -sg-



Verdi Ogewell, VerkstadsForum/PLM TV News (Schweden), www.verkstadsforum.se

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