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PLM-TechnologieProstep-Symposium 2011: Die Krise im Rückspiegel

Wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass die Automobil-industrie die Krise hinter sich gelassen hat, dann lieferte ihn das diesjährige Symposium des Prostep-iViP-Vereins. Mit rund 450 Teilnehmern aus 13 Ländern erreichte die Veranstaltung, die in der BMW-Welt in München stattfand, fast den Rekordbesuch des Jahres 2008. Die Branche blickt – die Krise im Rückspiegel – zuversichtlich in die Zukunft, in der es allerdings neue Herausforderungen wie die Elektromobilität zu meistern gilt.
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PLM-Technologie: Prostep-Symposium 2011: Die Krise im Rückspiegel

Der Erfolg des diesjährigen Symposiums sei natürlich nicht allein dem Ende der Krise zu verdanken, sondern auch dem attraktiven Veranstaltungsort und den interessanten Referenten, betonte Dr. Steven Vettermann, der neue Geschäftsführer des Vereins im Gespräch mit dem CAD-CAM REPORT: 41 Vorträge über globale Collaboration, Systems Engineering, Networking, Innovation, Informations-Management, Visualisierung, IT-Strategien und andere Aspekte des Product Lifecycles sowie zwei Workshops standen auf der Agenda, die nicht ganz so dicht gepackt war wie im Vorjahr. Dadurch hatten die Teilnehmer mehr Zeit für die Kontaktpflege in den Ausstellungsräumen, in denen 22 PLM-Anbieter ihre Produkte und Dienstleistungen zeigten. Unter den Ausstellern war auch dieses Jahr wieder ein Newcomer, der allerdings alles andere als ein Start-Up ist: Mit über 4.000 Mitarbeitern gehört die indische Firma Geometric zu den weltweit größten Anbietern von Engineering- und PLM-Dienstleistungen und -Lösungen.

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Beherrschendes Thema der diesjährigen Veranstaltung war die wachsende Komplexität der Automobilentwicklung und die Frage, wie sich diese Komplexität reduzieren beziehungsweise beherrschbar machen lässt. Sie wurde sowohl in den Keynotes als auch in den Vorträgen immer wieder aufgegriffen. Neben IT-technischen Antworten stellten die Referenten prozessorientierte Lösungsansätze wie das Systems Engineering vor, das die jahrelange Diskussion über die Integration von Mechanik-, Elektronik- und Software-Entwicklung unter neuem Vorzeichen fortführt: „Um die Komplexität eines Systems beherrschbar zu machen, das aus mechanischen, elektrischen, elektronischen und Software-Komponenten besteht, muss man noch viel stärker in Prozessen denken“, erläuterte Vettermann.

Forderung nach mehr Offenheit – der ‚Codex of PLM Openness‘

Zum Auftakt der Veranstaltung skizzierte Karl Erich Probst, CIO der BMW AG, die aktuellen Herausforderungen der Branche, die sich nicht grundlegend von denen vor der Krise unterscheiden: Globale Marktpräsenz und hoher Kostendruck auf der einen Seite, individuelle Kundenanforderungen und eine immer stärkere Segmentierung beziehungsweise Zielgruppenorientierung des Angebots auf der anderen führen zu einer wachsenden Produktkomplexität, die sich unter anderem in der Vielfalt möglicher Fahrzeugvarianten widerspiegelt. Hinzu kommen die veränderten Umweltbedingungen, auf die BMW und andere OEMs mit der Entwicklung von Elektro- und Hybridfahrzeugen eine Antwort zu finden versuchen. „Das Problem ist, dass keiner genau weiß, wie sich die Mobilität der Zukunft entwickeln wird“, so Probst.

Angesichts dieser Herausforderungen benötige die Branche offene IT-Lösungen, um neue Produkte möglichst flexibel entwickeln zu können, betonte Probst. Er begrüßte deshalb die Initiative des Prostep-iViP-Vereins zur Schaffung eines ‚Codex of PLM Openness‘, der die Systemhersteller zu mehr Offenheit verpflichten soll. Dass die PLM-Hersteller allen Lippenbekenntnissen zum Trotz bei weitem nicht so integrationsbereit sind, wie sich die Anwender und auch die Anbieter von CAD-neutralen PDM-Lösungen das wünschen würden, bemängelte auch Karl-Heinz Zachries, Geschäftsführer der Contact Software GmbH, die in diesem Jahr neben der BMW-Group als Hauptsponsor des Symposiums auftrat. Seiner Meinung nach ist die Abschottungspolitik mancher PLM-Hersteller regelrecht wettbewerbswidrig (siehe dazu das Interview S. 38).

In seiner Keynote erläuterte Zachries den Zuhörern, wie sich die Komplexität der IT-Landschaft durch eine modular aufgebaute PDM-Architektur reduzieren lässt. Contact verfolgt den Ansatz, den Anwender vom Ballast des Produktdatenmanagements stärker zu entkoppeln und seine Arbeitsergebnisse über eine leichtgewichtige Collaboration-Plattform in regelmäßigen Abständen zu synchronisieren. Den Nachfragen zufolge stieß das Workspaces-Konzept bei den Zuhörern auf großes Interesse.

Herausforderung Elektromobilität

„Die Automobilindustrie steht vor der Herausforderung, Elektrofahrzeuge mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis und einer der Kundenerwartung entsprechenden Nutzbarkeit auf den Markt zu bringen“, schrieb Dr. Oliver Riedel, Leiter Prozessintegration und Informationsmanagement Produktprozess bei der Audi AG und Mitglied im Prostep-iViP-Vorstand den Teilnehmern des diesjährigen Symposiums ins Stammbuch beziehungsweise die Proceedings. Die Frage ist, ob die großen Automobilhersteller für diese Herausforderung gewappnet sind? Manches deutet darauf hin, dass sie statt des Schnellwegs ins Zeitalter der Elektromobilität eher den evolutionären Innovationspfad bevorzugen, um ihr Stammgeschäft nicht zu schmälern. Als Anekdote am Rande erschien übrigens just zum Symposium in der Wirtschaftswoche ein Artikel über die Schwierigkeiten eines deutschen Jungunternehmers, die deutsche Autoszene für seinen Hochleistungsakku zu begeistern, mit dem man ein Elektroauto bis zu 450 km weit fahren könnte.

Um die Innovationsfähigkeit nachhaltig zu steigern, sind manchmal radikale Innovationssprünge erforderlich, betonte Prof. Dieter Spath vom Fraunhofer-IAO in Stuttgart in seiner brillanten Keynote. Spath machte das an einem schönen Beispiel deutlich: Sony und Co. nutzten das ursprünglich in Deutschland [sic!] entwickelte MP3-Format, um ihre tragbaren Abspielgeräte weiter zu verbessern, aber erst Apple kam auf die Idee, ausgehend von dem Format ein komplett neues Gerät mit Internet-basierten Diensten zu entwickeln, die das Musikgeschäft von Grund auf revolutioniert haben. „Viele Unternehmen laufen in die inkrementelle Falle: Sie konzentrieren sich zu sehr auf kleine Innovationsschritte und nicht auf radikale Neuerungen“, so Spath. Mobilität sei neben Klima/Energie, Gesundheit, Sicherheit und Kommunikation eine der Prioritäten für Innovationen. Die Elektromobilität werde alle Lebensbereiche vom Verkehr über die Energieversorgung bis zur Stadtentwicklung beeinflussen. Insbesondere wenn man den Mobilitätsbedarf in den Schwellenländern betrachtet, wo über eine Milliarde Menschen an der Kaufkraftschwelle stehen.

„Die Chinesen haben sich klar für die Elektromobilität entschieden und sie bewegen sich schnell“, warnte Prof. Achim Kampker vom Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen. Kampker präsentierte den Anwesenden in seiner Keynote das Streetscooter-Projekt. Darin entwickelt eine Allianz von namhaften Industrieunternehmen (ohne Beteiligung der OEMs) gemeinsam mit dem WZL ein serientaugliches Elektroauto für den Stadtverkehr. Ziel ist es, das Fahrzeug zu einem Preis von 5.000 Euro (ohne Batteriekosten) auf den Markt zu bringen. Im Jahr 2013 sollen die ersten 2.000 Elektroautos ‚vom Band‘ rollen. Insgesamt ist eine Produktion von 100.000 Fahrzeugen angestrebt – nicht um damit den traditionellen Automobilherstellern Konkurrenz zu machen, sondern um die Serientauglichkeit des Konzepts unter Beweis zu stellen. Der Streetscooter ist als modularer Technologie-Baukasten angelegt, der in der ersten Generation viele Komponenten bestehender Fahrzeuge enthalten wird und schrittweise weiter entwickelt werden soll. Gerade dieser pragmatische Ansatz macht das Projekt so vielversprechend.

Schulterschluss zur Wissenschaft

Vorträge der Scientific Community haben schon seit dem letzten Jahr wieder ihren festen Platz auf der Agenda des Symposiums – eine Weichenstellung, die den Praktikern aus der Industrie den Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen erleichtern soll. Im Rahmen des Scientific Tracks stellten Jutta Abulawi von der HAW Hamburg und Prof. Frank Mantwill von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg die Systems Modeling Language SysML vor und erläuterten den Zuhörern, wie diese Beschreibungssprache nicht nur für die interdisziplinäre Definition von Software- und Elektronik-Komponenten, sondern auch mechanische Konstruktionsaufgaben genutzt werden kann.

Um den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern, hatte der Prostep-iViP-Verein in diesem Jahr erstmals einen Scientific Award ausgelobt, der im Rahmen der Abendveranstaltung im Münchner Augustiner-Keller verliehen wurde. Der mit 4.000 Euro dotierte Preis für die beste Dissertation ging an Dr. Florian Gerhard von der BMW AG für seine Arbeit über die Nutzung neutraler Viewing-Formate im virtuellen Produktentstehungsprozess. Außerdem nutzte man das zünftige Beisammensein, um die bisherige Geschäftsführerin des Vereins, Christine Frick, mit einem kräftigen Applaus zu verabschieden.

Weitergehende Informationen zu den Vorträgen des diesjährigen Symposiums sind auf der Homepage des Prostep-iViP-Vereins unter http://www.prostep.org zu finden. Das nächste Symposium findet im Mai 2012 bei Airbus in Hamburg statt.

Michael Wendenburg ist freier Mitarbeiter des CAD-CAM REPORTs.

Prostep iViP Verein, Darmstadt Tel. 06151/9287-336, http://www.prostep.org

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