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PLM-Technologie»Wir wollen bereits heute die Prozesse der Zukunft verstehen«

Ab Oktober übernimmt James E. Heppelmann, der bisherige COO, als CEO die Führung des PLM-Softwareanbieters PTC und folgt damit C. Richard Harrison, der sich dann auf seine Rolle als Vorsitzender des Board of Directors konzentrieren wird. Der CAD-CAM Report sprach mit dem designierten PTC-Chef über die Strategien des Unternehmens.
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PLM-Technologie: »Wir wollen bereits heute die Prozesse der Zukunft verstehen«

CCR: Herr Heppelmann, wann werden im CAD-Bereich die Produktlinien von Pro/Engineer und Cocreate Modeling zusammengeführt?

Heppelmann: Wir arbeiten daran und werden in der Zukunft nicht nur diese beiden Produktlinien zusammenführen, sondern einen bahnbrechend neuen Ansatz verwirklichen. Unsere Vision ist ein System, das es dem Anwender erlaubt, wahlweise parametrisch oder direkt in 3D zu modellieren – und zwar mit voller Kompatibilität in beiden Richtungen –, sowie zusätzlich auch in 2D. Im 3D-Bereich werden wir dabei natürlich auf unsere jeweiligen Lösungen zurückgreifen; für die Parametrik Pro/Engineer und für das Direct Modeling Cocreate Modeling. Letzteres wird natürlich immer leichter anzuwenden sein, eben weil es ohne Parameter auskommt – aber zukünftig ist es eben zur Parametrik kompatibel.

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CCR: Wieso nehmen Sie die 2D-Arbeitsweise dazu?

Heppelmann: Weil gelegentlich sogar 2D am besten sein kann. Bislang bieten die meisten Systeme auf dem Markt genau eine der drei genannten Modellierungsmöglichkeiten an. Das heißt, mit der Wahl eines CAD-Systems entscheidet sich der Anwender für eine bestimmte Art zu modellieren, auch wenn das nicht zu jeder Aufgabe passt, die sich ihm stellt. Wir sind deshalb davon überzeugt, dass wir einen erheblichen Mehrwert bieten können mit einer Lösung, die dem Anwender die freie Wahl lässt – ein solches System gibt es bislang nicht.

CCR: Wie steht es um die Integration von mechanischer, elektrischer und softwaretechnischer Entwicklung?

Heppelmann: Diese Konvergenz läuft bereits an, aber PTC will sie weiter voranbringen und beschleunigen, das ist eine unserer wesentlichen Strategien. Moderne Produkte beinhalten heute fast immer die Kombination von Mechanik, Elektrik und Software. Deswegen ist vollkommen klar, dass man diese Bestandteile nicht getrennt voneinander entwickeln und dann erwarten kann, dass alles zusammen gut funktioniert. Gleichzeitig zu entwickeln, dabei Informationen zu teilen und miteinander zu kommunizieren, ist unabdingbar. CAD/CAM- und PLM-Systeme müssen das unterstützen. Das gilt insbesondere auch für Embedded Software.

CCR: Können Sie das näher erläutern?

Heppelmann: Denken wir beispielsweise an die Software in der Motorsteuerung oder in einem ABS-System. Auch hier wollen wir über die traditionelle mechanische und elektronische Entwicklung hinaus gehen. Ziel unserer Initiative ist es, das Erstellen von Embedded Software in den Kontext der kompletten Produktentwicklung einzubeziehen, einschließlich der Versionsverwaltung und des Änderungs-Managements. Das ist vor allem vor dem Hintergrund wichtig, dass heutige Software-Entwicklungs-Werkzeuge nicht nach der Art der Anwendung fragen. Will heißen, wir selbst entwickeln unsere Systeme mit den gleichen Tools, mit denen auch Embedded Software hergestellt wird. Wir denken aber, dass es große Unterschiede bezüglich dieser Anwendungen gibt – und wollen das entsprechend berücksichtigen. Wir knüpfen in diesem Zusammenhang an die Open-Source-Lösungen Eclipse, Subversion und Bugzilla an, die bei Software-Entwicklern einen hohen Akzeptanz- und Verbreitungsgrad haben.

CCR: Sie legten einst mit der Gründung von Windchill Technology die Basis für den Erfolg von PTC im PLM-Bereich. Was zeichnet aus Ihrer Sicht Windchill aus?

Heppelmann: Die Technologie, unser Einführungs-Know-how und die Kundenbasis. Mehr als 25.000 aktive Kunden setzen auf PTC-Technologie und sind damit erfolgreich. Mit 880.000 Windchill-Lizenzen unter aktiven Wartungsverträgen macht unsere PLM-Plattform dabei den Löwenanteil unseres Umsatzes aus und unsere Kundenbasis wächst in rasantem Tempo. Da Windchill eine Prozess-Applikation ist, müssen wir die Abläufe unserer Kunden sehr genau kennen, wenn wir sie unterstützen wollen. Unsere PLM-Lösung bietet dabei einen Vorteil: Die Mehrzahl aller Installationen kommt bereits mit den als Standard hinterlegten Prozessen aus, der Anpassungsaufwand ist minimal. Deshalb beschäftigen wir uns auch sehr eingehend mit der Frage, wie diese Prozesse zukünftig aussehen, wie also in Zukunft gearbeitet wird. Hier kommen auch wieder die beiden ersten Punkte ins Spiel: Dazu benötigt man eine sehr robuste und erprobte Architektur mit enormen Fähigkeiten – Windchill bietet das – und man muss wissen, wie man ein solches System beim Kunden einführt. Unsere Mitarbeiter verfügen über dieses Know-how, sie wissen, wie sich die Technologie am besten nutzen lässt. Denn nur so lässt sich für den Anwender auch ein Wettbewerbsvorteil erreichen.

CCR: Große Unternehmen benötigen sicher eine PLM-Lösung, aber wie sieht es mit kleinen und mittelständischen Unternehmen aus?

Heppelmann: Auch diese haben einen Bedarf für die grundlegenden Funktionalitäten eines PLM-Systems, auch wenn sie sicher verglichen mit großen Unternehmen weniger Anforderungen stellen. Grundlegend heißt: Die einzelnen Abteilungen im Unternehmen sollten möglichst effektiv zusammenarbeiten, gegebenenfalls auch mit Niederlassungen an anderen Standorten. Außerdem lohnt sich die enge Zusammenarbeit – und damit der Informationsaustausch – mit Partnern, Zulieferern und natürlich Kunden. Selbst wenn sie also die volle Windchill-Funktionalität nicht benötigen, wichtig sind auf jeden Fall das Daten-Management, die Organisation der Zusammenarbeit, das Änderungs-Management und die Möglichkeit, Produkte in verschiedenen Varianten auslegen und verwalten zu können. Wir stellen fest, dass auch die kleinen Unternehmen ein Interesse daran haben.

CCR: Wie unterstützen Sie kleinere Unternehmen, um PLM erfolgreich umzusetzen?

Heppelmann: Indem wir die Eintrittsbarriere senken, der Einstieg muss einfach sein und möglichst kostengünstig. Dafür bieten wir unser Windchill Productpoint an, ein einfaches PLM-System auf Basis von Microsofts Sharepoint-Lösung, die über das Betriebssystem in vielen Unternehmen bereits vorhanden ist. Mit Productpoint können etwa mehrere Teams die CAD-Daten zusammen nutzen. Wir stellen fest, dass das auch von kleinen Unternehmen gerne genutzt wird, wenn Kosten und Einführungsaufwand nicht zu groß sind.

CCR: Auf der Hannover Messe hat PTC die Analyse-Lösung Insight vorgestellt, mit der sich Fragen der Umweltverträglichkeit neuer Produkte vorab klären lassen. Welche Entwicklungsziele verfolgen Sie hier?

Heppelmann: Zunächst haben wir uns dabei vor allem mit dem Thema der so genannten »grünen« Produktentwicklung beschäftigt. Bereits in der Entwicklungsphase lassen sich so beispielsweise Materialien mit Gefährdungspotenzial identifizieren und gegebenenfalls ersetzen – Stichwort Reach (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) – und die Kohlendioxid-Bilanz erstellen. Auch das Thema Recycling spielt hier hinein. PTC wird darüber hinaus einen entscheidenden Schritt weitergehen, in Richtung noch vielfältigerer Analysen.

CCR: An was denken Sie dabei?

Heppelmann: Es geht darum, eine vorgesehene Produkt-Konfiguration detaillierter zu untersuchen, um Antworten auf etwa zehn Schlüsselfragen zu bekommen. Zwei oder drei davon beziehen sich sicherlich auf die Umweltverträglichkeit, die anderen auf Kosten, Gewichte, die Zuverlässigkeit des Produkts oder die Verlässlichkeit ganzer Lieferketten. Am ehesten lässt sich das vergleichen mit der Entwicklung im Bereich der CAE-Systeme, bei denen – abhängig von der Geometrie der Produkte – etwa die Festigkeit oder das Strömungsverhalten analysiert wird. Übertragen auf Insight wollen wir ein vergleichbares Analyse-Werkzeug schaffen, das Antworten auf Fragen findet, die sich nicht allein aus der Geometrie ableiten lassen.

CCR: Wird Insight dazu in Windchill integriert?

Heppelmann: Nein, wir wollen diese Daten-Management-Technologie zwar eng an Windchill anlehnen, aber eigenständig belassen. Einer der wichtigsten Gründe dafür ist, dass wir glauben, dass auch Kunden ein Interesse an den Funktionalitäten von Insight haben, die ein PLM-System eines anderen Herstellers einsetzen.

CCR: Welche Ziele gibt es bezüglich der Informationsbereitstellung, also Arbortext?

Heppelmann: Auch hier planen wir einen wichtigen weiteren Schritt. Historisch gesehen entstand die Arbortext-Suite, um die technische Dokumentation zu erstellen. Unser Ansatz lautet aber nun: Produziere für den Serviceeinsatz keine technischen Dokumente, sondern stelle situationsabhängig relevante Informationen direkt zur Verfügung. Dabei geht es nicht darum, dem Service-Mitarbeiter mehr Informationen zu geben, sondern eben exakt jene, die er benötigt, um seine Aufgabe zu lösen. Um auch hier einen Vergleich anzuführen: Früher hatte man im Auto einen dicken Stapel Karten, von denen man aber nur einen Bruchteil benötigte. Heutige Navigationssysteme verfügen dagegen über eine Datenbasis zunächst unveröffentlichter Informationen. Sobald das Ziel eingegeben ist, stellen sie dem Fahrer dann nur den Ausschnitt zur Verfügung, den er benötigt, um sein Ziel zu erreichen.

CCR: Also eine Art Navigationssystem für den Service?

Heppelmann: Sogar mehr als das, denn der Service-Mitarbeiter benötigt noch spezifischere Informationen. Bevor man eine Maschine repariert, sollte man zunächst genau verstehen, welche Konsequenzen sich aus den Daten des Diagnosesystems ergeben. Hier müssen neben der Produktkonfiguration auch Daten aus der Wartung, früheren Reparaturen und Modernisierungen einfließen. Gefragt ist also ein Expertensystem, das all diese Informationen verarbeitet, um anschließend dem Service-Mitarbeiter knapp und bündig mitzuteilen, wie sich das Problem am besten beheben lässt. Ein solches System bringt PTC als erstes Unternehmen auf den Markt, und die Aussagen erster Pilotkunden sind eindeutig: Die Effizienz im Service lässt sich dramatisch verbessern.

CCR: Innovationen werden PTC also so schnell nicht ausgehen?

Heppelmann: Ganz bestimmt nicht. Wir sind eines der am schnellsten wachsenden Softwareunternehmen der Welt. Wir haben viel in PLM investiert, sowohl in Technologie als auch Know-how, das zahlt sich aus. Gleichwohl wollen wir weiter organisch wachsen. Das war bislang und wird auch zukünftig unsere Strategie sein.

CCR: Welche Rolle spielt für PTC dabei der europäische und insbesondere der deutschsprachige Markt?

Heppelmann: Europa macht 40 Prozent unseres Geschäfts aus, und vor allem Deutschland ist darin das umsatzstärkste Land. Außerdem finden sich hier einige unserer herausragenden Kunden. Eines unserer Ziele ist es, vor allem in der Automobilindustrie noch mehr zu erreichen. Zudem gilt: In Deutschland erfolgreich zu sein ist nicht nur für das Unternehmen PTC wichtig, sondern auch für mich als CEO. -co-

Parametric Technology GmbH, Unterschleißheim, Tel. 089/32106-0, www.ptc.com

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