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PLMKommunikation muss verbessert werden

Fast zwei Drittel aller Konstrukteure verwenden 20 Prozent und weniger ihrer Arbeitszeit für die Kernaufgaben Entwickeln, Konstruieren und Absichern. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt eine groß angelegte Studie von Contact Software, Fraunhofer-IPK und dem VDI. Sehr viel Zeit müssen die Ingenieure dagegen für Kommunikation und Koordination aufwenden und fühlen sich danach oft immer noch nicht gut informiert.
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PLM: Kommunikation muss verbessert werden

Monika Corban, freie Mitarbeiterin, CAD-CAM REPORT

Teamwork, Partnernetzwerke und ein intensiver Austausch von Produktdaten charakterisieren heute vor allem die Produktentwicklung. „Gerade in einem besseren Zusammenspiel aller Beteiligten der kollaborativen Produktentstehung liegt noch ein großes Verbesserungspotenzial für die Fertigungsindustrie“, erklärte Professor Rainer Stark, Direktor des Geschäftsfelds Virtuelle Produktentstehung im Fraunhofer-IPK, im Vorfeld der Studie, die speziell auf die Sicht der Konstrukteure ausgelegt war (wir berichteten darüber in CAD-CAM REPORT 10/2011). Ziel war es, zu untersuchen, wie der Ingenieur in seiner virtuellen Arbeitswelt agiert, welche Vor- und Nachteile dies mit sich bringt und wo, in Hinblick auf digitale Werkzeuge und Prozesse, Verbesserungsbedarf besteht. Nun lassen die jetzt vorgelegten Ergebnisse eher den Schluss zu, dass häufig nicht unzureichende IT-Lösungen sondern vor allem auch arbeitsorganisatorische Probleme die Konstrukteure in ihrem Arbeitsalltag behindern.

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Die Initiatoren der Studie erzielten mit 1401 Antworten auf ihren Fragebogen einen Rücklauf von gut sechs Prozent – und das von einem guten Querschnitt der geplanten Zielgruppe. Damit liefern sie eine gute statistische Basis für eine der auch international größten Erhebungen in diesem Umfeld in den letzten zehn Jahren.

Während die meisten Befragten ihre Arbeitsumgebung durchaus positiv bewerteten, haben sie doch das Gefühl, nicht genügend Zeit zum Konstruieren zu haben. Nur 15 Prozent gaben an, mehr als 40 Prozent ihrer Arbeitszeit dafür zur Verfügung zu haben. Für Patrick Müller von der IPK-Abteilung Informations- und Prozesssteuerung des Geschäftsfelds Virtuelle Produktentstehung, der die Studie mit durchgeführt und ausgewertet hat, ein Indiz dafür, dass der Schwachpunkt nicht die zur Verfügung stehenden Werkzeuge sind, sondern eher die Organisation innerhalb der Unternehmen.

36 Prozent aller Befragten gaben an, zwischen 21 und 40 Prozent ihrer Arbeitszeit für Kommunikation aufzuwenden, 28 Prozent sogar mehr als 40. Umso mehr sollten Geschäftsführer aufhorchen, wenn sich trotz dieses relativ hohen Zeitaufwandes dann eine Diskrepanz bei der Einschätzung der Einfachheit und Praxisnähe von Verfahrensanweisungen auftut, so Müller. Während sie selbst größtenteils der Meinung waren, dass die Verfahrensanweisungen im Unternehmen klar und einfach seien, bewertete immerhin die Hälfte der Fachspezialisten aus den Bereichen Entwicklung, IT/Prozesse sowie Team- und Projektleitung diese Eigenschaften der Verfahrensanweisungen (eher) negativ. Außerdem fühlten sich die Befragten nicht ausreichend über die Priorisierung der Ziele informiert. Zudem gab nur die Hälfte der Befragten an, leichten Zugang zu Erfahrungswissen zu haben. Eine etwa gleich große Menge monierte, dass Daten nicht im richtigen Format bereitgestellt werden. Als sehr störend empfinden viele Konstrukteure auch, dass sie nicht über nachträgliche Änderungen an ihren Teilen informiert werden.

Strategien für den Datenaustausch sind gefragt

Hier gibt es aus Sicht von Professor Stark noch Nachholbedarf im Umgang mit PDM-Systemen. „In vielen Fällen werden die Endnutzer kollaborativer Werkzeuge mit der Frage alleine gelassen, wie sie sich abstimmen, wann welche Daten zur Verfügung gestellt werden“, so Stark. Es sei aber ein Trugschluss davon auszugehen, dass sich die Ingenieure schon untereinander einigen, in welchen Abschnitten sie Informationen austauschen möchten und in welcher Art und Weise das zielgerichtet ist. „Unternehmen müssen nicht nur PDM-Systeme einführen, sondern auch eine Strategie dazu entwickeln, wie diese eingesetzt werden sollen“, mahnt Stark. Die Werkzeuge könnten natürlich schon jetzt sehr gut unterstützen und überhaupt die Möglichkeiten für solche Austausche schaffen. Die Werkzeuge werden in Zukunft aber auch viel stärker darauf abgestimmt sein müssen, in welchen Szenarien Kollaboration überhaupt betrieben werden soll. „Da besteht aus meiner Sicht noch ein Vakuum an Kompetenzen“, so Stark, „welches wir in den nächsten Jahren füllen müssen, weil dann jüngere Menschen in den Beruf eintreten, die ganz andere Kommunikationswege für normal halten.“

So werden derzeit, entgegen aller Sicherheitsbedenken, vorrangig immer noch Produkt- und CAD-Daten in Unternehmen per E-Mail ausgetauscht. Immerhin 68 Prozent aller Konstrukteure nutzen E-Mails als Hauptweg zur Kommunikation mit ihren Kunden. Selbst im Automobilbau, wo spezielle Datenaustauschplattformen etabliert sind, liegt diese Zahl noch bei 45 Prozent. Unternehmensintern spielen Netzlaufwerke eine dominierende Rolle. 56 Prozent aller Befragten gaben an, darüber CAD- und Produktdaten auszutauschen. Im Automobilbau nutzen dazu immerhin schon 44 Prozent ein PDM-System. Die Nützlichkeit eines PDM-Systems wird vor allem im Automobilbau als hoch eingeschätzt, die eines ERP-Systems aber etwas geringer. Das zeigt, so Müller, dass die Möglichkeiten dieser Systeme noch nicht voll ausgeschöpft werden.

Befragt dazu, was nützliche Lösungen für die Zukunft wären, sieht die Mehrheit der Befragten Trend-Themen wie Soziale Netzwerke und Cloud-Services noch längst nicht als vielversprechend an. 67 Prozent empfänden es aber als sehr nützlich, wenn ihnen die Daten auf mobilen Endgeräten zur Verfügung ständen. „Und das, obwohl bei weitem noch die meiste Entwicklungsarbeit im eigenen Büro stattfindet“, sagt Müller. Der Reiseanteil bei den Entwicklungsingenieuren fiel deutlich geringer aus als erwartet.

Insgesamt zeigten die meisten Befragten eine hohe Akzeptanz von Workflow-Lösungen. Rund 80 Prozent wünschten sich Workflows, die auch Kunden, Partner und Lieferanten einschließen, sowie Workflows, die sie selbst ad hoc formulieren und anpassen können. Ebenso vielen war es wichtig, Änderungen und Änderungsmarkierungen (‚Redlining‘) direkt in der 3D-Geometrie und in den Zeichnungen angezeigt zu bekommen.
Bestellungen zum Erhalt der Studie werden bereits aufgenommen. Der bedarfsabhängige, exklusive Druck erfolgt in Kürze. Interessenten können sich bei Patrick Müller (patrick.mueller@ipk.fraunhofer.de) melden.

Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK), Berlin Tel. 030/39006-294, http://www.ipk.fraunhofer.de
Contact Software GmbH, Bremen Tel. 0421/20153-0, http://www.contact.de

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