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PLM-TechnologieBeherrschbare Komplexität bleibt Herausforderung des PLM

Parallel zum Messedoppel IT & Business sowie DMS Expo fand in diesem Jahr erstmals die Kongressveranstaltung Product Life live im Herbst in Stuttgart statt. Dabei wurde klar: Zukünftig müssen PLM-Lösungen Zusammenhänge noch besser darstellen können und die Entscheidungsfindung auf Basis einer noch größeren Datenmenge erleichtern. Interessant dürfte auch die weitere Entwicklung beim Systems Engineering sein, wobei hier die hohe Komplexität und nicht zuletzt ein leistungsfähiges Datenmodell die Hürden darstellen.
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„Heute unterstützen PLM-Lösungen vor allem administrative Prozesse, etwa die Freigabe von Änderungen“, sagte Prof. Michael Abramovici vom Lehrstuhl für Maschinenbauinformatik der Ruhr-Universität Bochum anlässlich der ‚Product Life live‘ in Stuttgart. Zukünftig müssten aber auch Management-Entscheidungen noch stärker in den Fokus rücken – etwa über What-if-Abfragen und Analyse-Tools, beispielsweise zur Kohlendioxid-Thematik. Abramovici, gleichzeitig Komiteevorsitzender der ‚Product Life live‘, skizzierte damit anlässlich des von der Mesago Messe Frankfurt GmbH veranstalteten Anwenderkongresses mit Ausstellung die Weiterentwicklung der PLM-Technologie aus Sicht der Wissenschaft. „Herzstück einer PLM-Anwendung sei das Datenmodell“, so Abramovici weiter, „allerdings müsse dieses erweitert werden und zukünftig auch die zugehörigen Geschäftsmodelle mit abbilden.“

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Interessant sei vor allem der Vergleich mit den so genannten ‚Smart Products‘, die über eingebettete Software und entsprechende Sensorik und Aktorik ‚intelligent‘ seien, erläuterte der Bochumer. „In PLM-Konzepten sprechen wir bislang hauptsächlich über die stücklistenbasierte Produktabbildung – komplexere Zusammenhänge werden dagegen noch nicht erfasst.“ Abramovici verglich die zu lösende Aufgabe mit der adaptiven Routenplanung moderner Navigationslösungen, die auch aktuelle Informationen wie beispielsweise Staumeldungen berücksichtigen und direkt eine alternative Route anbieten müssten. „Noch fehlt PLM-Angeboten eine entsprechende Semantik, die Zusammenhänge erkennt und darstellen kann.“

Immerhin: Erste Umsetzungen finden sich bereits in der Industrie, etwa der Semantic-PLM-Ansatz der Willstätter BCT Technology AG mit der Software Compositus (siehe CAD-CAM REPORT 7/8-2011, S. 22). Hier werden nicht nur über das PDM- und ERP-System hinausgehend Datenquellen wie etwa Mailsysteme erschlossen, sondern alle Fundstellen verknüpft – und auf diese Weise Zusammenhänge visualisiert.

In der sich anschließenden Diskussion mit den vier strategischen Partnern der Product Life live – Contact Software, Dassault Systèmes, Oracle Deutschland und Siemens PLM Software –, fragte Moderator Ulrich Sendler, Technologieberater und Analyst in München, dann auch nach weiteren, schon existierenden Lösungsansätzen. „Wir verfolgen unter dem Stichwort ‚HD-PLM‘ – in Analogie zum hochauflösenden Fernsehen – genau diesen Management-Ansatz“, antwortete Thorsten Elsen, Marketing-Direktor Teamcenter bei der Siemens Industry Software GmbH & Co. KG (Siemens PLM Software; siehe CAD-CAM REPORT 7/8-2010, S. 12). Es gehe darum, die vorhandenen, umfangreichen Informationen und komplexen Zusammenhänge so aufzubereiten, dass die Mitarbeiter abhängig von ihrer Rolle im Unternehmen die relevanten Daten für ihre Entscheidung an die Hand bekämen.
Wichtig sei dabei vor allem die Frage, wie sich PLM-Lösungen trotz der steigenden Komplexität einfacher gestalten ließen, betonte Karl Heinz Zachries, Geschäftsführer der Contact Software GmbH. Denn von Seiten der Anwender komme sonst zu Recht die Kritik, dass insbesondere monolithische Systeme selbst zu komplex würden. Um etwa die frühen Phasen der Entwicklung – wenn vor allem Kreativität gefragt ist – zu unterstützen, haben die Bremer unlängst das Konzept der Workspaces vorgestellt (siehe CAD-CAM REPORT 1/2-2011, S. 20). Denn: Werden Ideen durchgespielt und entwickelt, benötigt man noch nicht den vollen Funktionsumfang einer PDM-Lösung, gleichwohl aber ein Werkzeug für die Teamarbeit. „Auf diese Weise lassen sich dann auch Management-Aufgaben noch besser unterstützen.“ Um beispielsweise das Anforderungsmanagement zu erleichtern, hat Contact unter anderem die Zusammenarbeit mit dem Virtual Vehicle Research Center (ViF) in Graz/Österreich intensiviert. Hier wird zurzeit im Rahmen der Grundlagenentwicklung ein Prozess- und Datenmodell für die strukturierte, systematische Erstellung und Umsetzung von Anforderungen mit entsprechenden ‚Use Cases‘ erarbeitet. Das soll die initiale Abstimmung über zukünftige Produkteigenschaften und die Gewichtung der Anforderungen systematisieren sowie deren Pflege und Nachverfolgung im Zuge des Produktentstehungsprozesses (PEP) transparent unterstützen und dokumentieren.

Speziell auf die Integration sozialer Netzwerke ging Jörg Schiebel ein, Geschäftsführer der Dassault Systemes Deutschland GmbH. „Über die Einbeziehung der Community kann man beispielsweise herausfinden, wie sich ein Produkt im Einsatz verhält, welche Auswirkungen es hat.“ Dadurch ließe sich die Basis für weitere Entscheidungen erheblich erweitern. „Zudem hat PLM schon heute die Kluft zwischen dem Engineering auf der einen und der Fertigung auf der anderen Seite geschlossen“, fuhr Schiebel fort. „Eine entscheidende Voraussetzung dafür sind jederzeit aktuelle Daten.“

Der Fokus müsse auf der so genannten Produkt-Wertschöpfungskette (Product Value Chain) liegen, die vom Innovations- und Portfoliomanagement über das Engineering bis hinein in die Fertigung reiche, erläuterte Ulf Köster, Sales Development Leader Western Europe im Bereich PLM bei der Oracle Deutschland B.V. & Co. KG. „Dabei spielt das Thema Offenheit eine wichtige Rolle, um durchgängige Prozesse sicherzustellen.“ Nur so ließe sich die enorme Komplexität auch bis hinein in die Lieferkette bewältigen. Köster verwies unter anderem auf den Computerhersteller Apple, der selbst keine Produkte produziere. „Nur die Entwicklung liegt bei den Kaliforniern selbst, die Fertigung übernehmen Partnerunternehmen rund um den Globus.“

Weitestgehend einig waren sich alle Unternehmensvertreter, dass zukünftig auch das disziplinübergreifende Management des Entwicklungsprozesses beim so genannten Systems Engineering – sprich die gleichzeitige Berücksichtigung von Mechanik-, Elektrik- und Elektronik- sowie Softwareentwicklung – eine entscheidende Rolle spielt. „Software gehört inzwischen zum Produkt, sie ist ein integraler Bestandteil“, sagte Thorsten Elsen für Siemens PLM Software. „Dieses systemgetriebene Denken wollen wir unterstützen!“ Insofern gebe es auch keinen Widerspruch zwischen dem klassischen Product Lifecycle Management (PLM) und dem Application Lifecycle Management (ALM) im Bereich der Software – beides gehöre zusammen, um die Abläufe aller beteiligten Entwickler zu harmonisieren.

Über das Systems Engineering hätte man an dieser Stelle gerne mehr erfahren, allerdings lieferte die Product Life live dazu weitere Vorträge. Der CAD-CAM REPORT wird entsprechende Ansätze in den kommenden Ausgaben vorstellen. Eine der spannenden Fragen dabei wird sein, wie das zugehörige Datenmodell als Herzstück einer PLM-Lösung (siehe oben) beschaffen sein muss.


Michael Corban, CAD-CAM REPORT

www.productlife.de

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