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News„PLM-Projekte müssen überschaubar sein“

Seit 1. Oktober 2010 leitet Oliver Spölgen, zuvor zuständig für den Geschäftsbereich Technische Anwendungen bei Steinhilber-Schwehr, zusammen mit Franco Vit die Ascad GmbH. Steinhilber-Schwehr bündelt in dem Anfang des Jahres übernommenen Tochterunternehmen sein Angebot rund um das Product Lifecycle Management (PLM). eDM-Report-Redakteur Michael Corban sprach mit den beiden Geschäftsführern über Ziele und Angebot im PLM-Umfeld.
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News: „PLM-Projekte müssen überschaubar sein“

eDM: Herr Vit, Herr Spölgen, können Sie uns noch einmal kurz schildern, was Steinhilber-Schwehr und Ascad zusammenführte?

Spölgen: Das Angebot von Steinhilber-Schwehr ruht ja auf drei Säulen. Neben kaufmännischen Lösungen rund um das Thema ERP sind wir auch in den Bereichen PLM und IT-Services aktiv. Da der PLM-Bereich bei Steinhilber-Schwehr unterrepräsentiert war, wollten wir durch die Übernahme von Ascad für ein Gleichgewicht sorgen. Auf diese Weise können wir auch in diesem Umfeld unter dem Stichwort ‚Computer Komplett‘ Unternehmen umfassend betreuen, ausstatten und begleiten. Wir wollen nicht nur einzelne Lösungen anbieten, sondern diese auch beim Anwender integrieren – um mittelständische Unternehmen dabei zu unterstützen, den PLM-Gedanken umzusetzen. Dieses Angebot bündeln wir in der Ascad GmbH, in der ab Januar 2011 auch alle Mitarbeiter des Steinhilber-Schwehr-Bereichs Technische Anwendungen tätig sind.

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Vit: Nach dem Einstieg eines Finanzinvestors war klar, dass die Ascad eines Tages einen strategischen Partner suchen würde. Da der Kontakt zu den beiden Steinhilber-Schwehr-Vorständen Karl-Heinz Eberle und Harald Scheuls bereits bestand und wir uns gut kennen, bot sich Ende letzten Jahres die Gelegenheit, zusammenzukommen. Seit Anfang des Jahres ist Ascad deswegen eine hundertprozentige Tochter von Steinhilber-Schwehr. Vom Ascad-Management übernehmen Dieter Stuch und Peter Schenkel nun Aufgaben bei Steinhilber-Schwehr, während ich zusammen mit Oliver Spölgen die Ascad leite. In der Ascad arbeiten damit zukünftig 200 Mitarbeiter an den Standorten Chemnitz, Hamburg, Hannover, Bochum, Aachen, Bad Vilbel, Herrenberg, Rottweil und Härkingen in der Schweiz. Zusätzlich ist die Ascad auch mit 51 Prozent an der Nürnberger MTC GmbH beteiligt, deren Schwerpunkt auf dem Einsatz von PTC-Lösungen liegt.

eDM: Was uns zu der Frage führt, welche Produkte Ascad zukünftig anbieten wird?

Vit: Hier verstehen für uns in erster Linie als neutraler PLM-Lösungsanbieter für den Mittelstand; wir können CAD- und PLM-Lösungen auf Basis unterschiedlicher Technologien realisieren und integrieren. Schwerpunkte bleiben aber sicherlich Teamcenter und NX von Siemens PLM Software, sowie die PTC-Lösungen Windchill, Pro/Engineer, Cocreate Model Manager und Modeling. Daneben spielt natürlich SAP PLM als Multi-CAD-PDM eine wichtige Rolle, und bei Bedarf integrieren wir hier die marktüblichen CAD-Systeme.

Spölgen: Insbesondere die Siemens-Lösungen bildeten auch die Schnittmenge zwischen Steinhilber-Schwehr und Ascad, das hatten beide im Angebot. Seitens Steinhilber-Schwehr gibt es zusätzlich noch langjährige Beziehungen zu Procad als PDM-Anbieter, zur IBS AG und deren Angebot im Bereich Qualitätssicherung – speziell CAQ=QSYS – sowie zu Invention Machine mit Goldfire als Innovationswerkzeug. Entscheidend ist aber dennoch die Neutralität – nur so lässt sich der Computer-Komplett-Gedanke umsetzen.

eDM: Sie sprechen vor allem den Mittelstand an. Welche Unternehmensgrößen verstehen Sie darunter?

Vit: Das war sicher auch ein Grund für das Zusammengehen von Steinhilber-Schwehr und Ascad, da sich unser Angebot hier gut ergänzt. Wir können so zukünftig Lösungen für Unternehmen ab etwa 50 bis 60 bis hinauf zu 3.000 Mitarbeitern anbieten. Synergieeffekte ergeben sich hier auch durch die Steinhilber-Schwehr-Kompetenz hinsichtlich ERP und IT-Services. Damit können wir vor allem den Mittelstand, der sich ja zunehmend global aufstellt, bei der Umsetzung einer PLM-Strategie unterstützen – Stichworte sind dabei vor allem die Integration in kaufmännische Applikationen hinein sowie die standortübergreifende Zusammenarbeit, insbesondere auch Multi-CAD-Umgebungen.

eDM: Das heißt, die Anbindung an ERP-Lösungen spielt eine immer wichtigere Rolle?

Spölgen: So ist es. Dabei sind zwei Aspekte wichtig. Zum Einen wollen sich gerade Mittelständler selten mit mehreren System-Lieferanten auseinandersetzen – hier können wir die Gesamtverantwortung übernehmen und der Hauptansprechpartner sein. Zum Anderen wächst die Schnittmenge zwischen ERP und PLM, sei es ERP-seitig die Verwaltung von CAD-Daten oder PDM-seitig die Übernahme von Aufgaben, die bisher im ERP abgedeckt wurden. Durch unsere Multi-Produkt-Strategie können wir hier branchenspezifisch Hilfestellung leisten und vor allem die Frage beantworten, welche Produkte sich für welche Aufgabenstellung am besten eignen.

eDM: Auf welche Weise können Sie darstellen, welche Vorteile die Umsetzung einer durchgehenden PLM-Strategie bietet?

Vit: Neben einem PLM-Leitfaden – basierend auf dem des VDMAs – und speziellen Entscheider-Workshops arbeiten wir hier vor allem mit unserem 4-Phasen-Modell. Konkret heißt das: Wir analysieren zunächst, welchen Nutzen ein Anwender haben kann, erarbeiten dann ein Konzept, implementieren dieses und arbeiten in Phase vier daran, dieses zu optimieren. Wichtig dabei ist, dass die Umsetzung einer PLM-Strategie kein riesiges Projekt wird, dessen Ende und Kosten sich nicht überschauen lassen. Unser Ziel ist es deshalb, bei einem bestimmten Budget mit bewährten Produkten, unseren Solution-Maps, die Effizienz fassbar zu machen – das macht die PLM-Umsetzung im Engineering-Umfeld sehr überschaubar. Dazu gehören dann auch die Themen Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter, weil sich nur auf diese Weise die Technologie effizient nutzen lässt.

Spölgen: Nur so werden wir auch den Kundenanfragen gerecht. Denn ein PLM-System wird ja nicht als solches nachgefragt, sondern der Kunde will bestimmte Aufgaben lösen. Etwa das Managen verteilter Standorte oder die Integration eines Produktkonfigurators. Ergänzend zum 4-Phasen-Modell bringt Steinhilber-Schwehr eine Strategie namens P3 W.I.A. ein. Das P steht darin für die Personen, die man mit ins Boot holen muss, sowie die Aktionen Wertanalyse, Implementierung und Audit. Bei der Wertanalyse wird ebenfalls zunächst die Zielsetzung untersucht und die bestehende IT analysiert, die gegebenenfalls miteingebunden wird. Die auf diese Weise gefundene Lösung gilt es dann zu implementieren, und das Ergebnis soll im Audit kontinuierlich beobachtet werden. Mit der Erfahrung, die wir in solchen Projekten gewonnen haben, können wir inzwischen auch den Nutzen einer PLM-Lösung nachweisen.

eDM: Könnten Sie uns ein Beispiel nennen?

Spölgen: Nehmen wir beispielsweise das Managen verteilter Standorte. Aufgrund unserer Interview-Technik während der Wertanalyse konnten wir bei einem Kunden ermitteln, dass rund 40 Prozent der täglichen Arbeitszeit allein auf den Datenaustausch zwischen seinen vier Entwicklungsstätten entfielen. Mit einer funktionierenden Multi-Site-Lösung lässt sich dieser Zeitaufwand erheblich senken und damit das Nutzenpotenzial recht genau bestimmen. Ein weiterer Punkt ist beispielsweise die Integration der technischen und kaufmännischen Prozesse. Bei der Mehrzahl der Unternehmen sind hier noch manuelle Prozesse vorhanden, die bei Änderungen immer wieder neu angestoßen werden müssen – was eine hohe Disziplin der beteiligten Personen voraussetzt. Solche Aufgaben lassen sich mit PLM-Strategien sehr gut automatisieren und damit effizienter abwickeln – was sich wiederum am Zeitbedarf gut messen lässt. Ähnliches gilt auch für die Anbindung der Fertigung.

Vit: Man kann zudem auch einen Schritt weiter vorne ansetzen. So lohnt es sich immer, über Konstruktionsrichtlinien und deren Umsetzung nachzudenken – insbesondere bei der Verwaltung großer Baugruppen in 3D-Systemen. Standardisierte Abläufe mögen zwar im ersten Augenblick zu Mehrarbeit führen, stellen aber letzten Endes sicher, dass die Weiterverarbeitung der Daten in Kalkulation oder Arbeitsvorbereitung auch erfolgen kann. Die Umsetzung der Konstruktionsrichtlinien schafft also die Voraussetzung dafür, die Vorteile eines PLM-Ansatzes auch nutzen zu können.

Spölgen: Ein weiterer wichtiger Aspekt ist auch die Sicherheit, der Schutz geistigen Eigentums – insbesondere des Engineering-Know-hows. Über ein PDM-System und die damit verbundene Rechteverwaltung kann man heute sicherstellen, dass ein Anwender nicht den gesamten Datenbestand eines Unternehmens auf einen USB-Stick kopieren und damit das Unternehmen verlassen kann. Bei vielen kleineren Unternehmen fehlt für diese Problematik noch das Bewusstsein.

Ascad GmbH, Bochum Tel. 0234/9594-0, http://www.ascad.de

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