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CAD/CAM-Software„In den Achtzigern herrschte Pionierstimmung“

Die 80er Jahre waren nicht nur von wilden Frisuren und schräger Kleidung geprägt, sondern auch von Aufbruchsstimmung und technischem Innovationsgeist. Letzteren hatten die Gründer von Tebis, die eines der ersten CAD/CAM-Systeme auf den Markt brachten, das auf dem PC lief. Was 1984 in einem Wohnzimmer begann hat sich in 30 Jahren zu einem erfolgreichen Unternehmen entwickelt. Bernhard Rindfleisch, einer der Tebis-Gründer, erinnert sich an die Anfangszeiten.
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PLM IT REPORT: Wie kam es zur Gründung von Tebis?

Rindfleisch: Zum Ende meines Studiums, in den 80er Jahren, war die digitale Revolution im vollen Gange. In der technischen Welt herrschte eine absolute Pionierstimmung, die Entwicklungen überschlugen sich, bahnbrechende Innovationen gab es im Halbjahreszyklus. Ich hatte selbst viele Einfälle, wollte nach Lösungen suchen, meine Kreativität einbringen. Schließlich war es wohl diese Kombination von sozialer Verantwortung und dem starken Wunsch, meine eigenen Ideen umzusetzen, die mich den Weg in die Selbstständigkeit hat einschlagen lassen. Am 2.März 1984 war es dann soweit. In meiner Wohnung im Münchner Vorort Moosach gründeten Jens Hagen und ich eine GbR, aus der bereits kurze Zeit später die Tebis GmbH und letztendlich die Tebis AG hervorging.

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PLM IT REPORT: Lag der Schwerpunkt denn schon von Anfang auf CAD und NC-Technologien?

Rindfleisch: Zunächst nicht. Zu Beginn war unser Tätigkeitsspektrum noch sehr breit gefächert und reichte über Beratung und Schulungen bis hin zu verschiedenen Programmierjobs. Das Ingenieurwesen galt damals nicht unbedingt als die sicherste Branche. Es war sehr schwer, an Kredite heranzukommen. Ich beschäftigte mich im Rahmen eines Auftrags auch mit den Themen NC-Fräsen und Digitalisieren von Risslinien. Als der Kunde eine Fräsmaschine kaufte, war ich Feuer und Flamme. Die Maschine, die nach Anlieferung noch am selben Tag montiert wurde, ist bereits während der ersten Nacht durchgelaufen. Am nächsten Morgen hielten wir völlig fasziniert eine Heckscheibe aus Styropor in den Händen. Unter DOS war damals nur 2D-Programmierung möglich. Alles, was mit 3D zu tun hatte, lief auf extrem aufwändiger Mainframe-Hardware. Ein einziger Arbeitsplatz kostete Unsummen. Um diesen am Laufen zu halten, war ein komplettes IT-Team erforderlich. Kleine Zulieferer und Modellbauer waren damit technisch und finanziell komplett überfordert. Sie blieben mit den herkömmlichen Technologien vollkommen außen vor.

PLM IT REPORT: Wie ging es weiter?

Rindfleisch: Schnell schafften wir einen IBM-PC an und entwickelten diverse Hilfsprogramme für das Digitalisieren und Editieren von NC-Programmen und schließlich ein NC-Paket. Doch das reichte uns nicht. Ich träumte von einem grafisch interaktiven CAD/CAM-System auf dem PC und war mir sicher, dass wir damit Erfolg haben könnten. Also setzten wir alles auf eine Karte. Mit jeder Menge Fachliteratur im Gepäck fuhren wir für zwei Wochen an die italienische Riviera. Unser erster Prototyp schließlich war nach einem Jahr Entwicklungszeit fertig.

PLM IT REPORT: Was hat Tebis damals gegenüber Konkurrenten ausgezeichnet?

Rindfleisch: Tebis war eines der ersten CAD/CAM-Systeme, das auf dem PC gelaufen ist. Über eine Schnittstelle ließen sich VDA-Daten einlesen, man konnte konstruieren und NC-Programme direkt auslesen. Die Version 2.0 verfügte bereits über ein grafisch interaktives Menü und die Bauteilanimation in Echtzeit; Version 2.1 ermöglichte das flächenübergreifende Fräsen mit beliebigen Werkzeugen.

PLM IT REPORT: Wo sehen Sie die Herausforderungen der Zukunft?

Rindfleisch: Ein zentrales Thema ist die Internationalisierung der Märkte. Wenn in immer kürzerer Zeit neue CAD/CAM-Produkte entwickelt werden und mehr und mehr Menschen auf einen gemeinsamen Wissenspool zugreifen, sind Automatisierung und Standardisierung von besonderer Bedeutung. Wir arbeiten intensiv daran, um unseren Kunden die Arbeit mit strukturierten Abläufen zu erleichtern und Prozesse sicherer zu machen. Und wenn ich sehe, welche Potenziale es beispielsweise in den Bereichen 3D-Visualisierung, 3D-Printing oder Digitalisierung gibt, bin ich immer noch genauso begeistert wie während der ersten Jahre. In den nächsten drei bis fünf Jahren werden wir unsere Softwarelösungen so komplettieren, dass alle wesentlichen Bereiche entlang der gesamten Prozesskette abgedeckt werden. Darüber hinaus verstehen wir uns immer mehr als Prozesslieferant.

Stefan Graf

Tebis, Planegg/Martinsried, Tel. 089/81803-0, http://www.tebis.de

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