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Mechanik-CADHightech und Handarbeit in der Uhren-Manufaktur

Eine bekannte Wiege für Luxusuhren ist Glashütte. Dort entstand vor einigen Jahren im Geist des Uhrmachers Moritz Grossmann eine moderne Manufaktur für hochwertige Uhren. Die Unternehmensgründerin Christine Hutter setzte von Beginn gleichermaßen auf traditionelle Handarbeit sowie moderne Werkzeuge für die Produktentwicklung und Fertigung. Die Wahl fiel auf Solid Edge von Siemens PLM Software, weil es in der Uhrenindustrie und auch in Glashütte bereits etabliert ist, sowie eine integrierte Lösung für die Datenverwaltung bietet.
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Mechanik-CAD: Hightech und Handarbeit in der Uhren-Manufaktur

In Christine Hutter reifte nach ihrer Uhrmacherlehre sehr früh der Plan für die Gründung einer eigenen Uhrenmanufaktur. Ihre beruflichen Stationen führten sie zuvor nach München, wo sie als Jahrgangsbeste ihre Uhrmacherlehre absolvierte, zu renommierten Uhrenmanufakturen und Juwelieren in München sowie nach Glashütte und in die Schweiz. „Mein Gedanke war es von Anfang an, hochwertige und innovative Armbanduhren zu bauen, anknüpfend an die Taschenuhren des lange fast vergessenen Uhrmachers Moritz Grossmann, aber mit einem eigenen ‘Gesicht‘, als Ort dafür konnte ich mir nur Glashütte vorstellen“, so beschreibt Hutter ihr Konzept, mit dem sie letztlich auch Investoren überzeugen konnte.

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Moritz Grossmann zählte neben Ferdinand Adolph Lange und anderen zu den Uhrmachern, die Mitte des 19. Jahrhunderts den herausragenden Ruf der Glashütter Uhrenindustrie begründeten. Er betrieb von 1854 bis zu seinem Tod 1885 eine eigene Manufaktur und gründete 1878 die Deutsche Uhrmacherschule in Glashütte.

Im November 2008 war es dann soweit. Christine Hutter bezog, zunächst allein, ein angemietetes Büro in Glashütte als Geschäftsführerin der Grossmann Uhren GmbH. Kurz darauf konnte sie Jens Schneider als Chefkonstrukteur dafür gewinnen, Armbanduhren unter der Marke Moritz Grossmann herzustellen. Die Rechte am Namen Moritz Grossmann hatte sich die Familie Hutter bereits vorher gesichert.

Erfolgreicher Start mit kleinem Team

Investitionen in IT-Systeme und hochpräzise CNC-Dreh-, Fräs-, Drahterodier- und Verzahnungsmaschinen folgten, und bereits im September 2010 präsentierte Hutter mit ihrem noch kleinen Team von qualifizierten Mitarbeitern das erste Uhrenmodell Benu. Eine Uhr mit einem neu entwickelten Uhrwerk in Roségold. Die limitierte Auflage von 100 Stück war bereits nach sechs Monaten vorverkauft. So wurden schnell größere Räumlichkeiten und mehr Mitarbeiter benötigt. Man entschloss sich daher, am Ufer der Müglitz ein eigenes Firmengebäude zu errichten, das im Februar 2012 bezogen wurde.

Manufaktur darf sich ein Uhrenbetrieb in Glashütte nennen, wenn mindesten 51 Prozent der Wertschöpfung am Ort erfolgt. Bei Grossmann liegt dieser Wert weit darüber, wobei der größte Arbeitsaufwand für die manuelle Veredelung – die Finissage – und Regulierung der einzelnen Uhrenkomponenten anfällt. Manufaktur heißt aber nicht nur Handarbeit. Bei Entwicklung der Uhr und Fertigung der Komponenten lassen sich heutige Qualitäts- und Zeitanforderungen nur mit modernen Hilfsmitteln und Maschinen erreichen.

Von der Idee zum Modell

Deshalb setzte Grossmann von Beginn an auf den Einsatz eines modernen CAD-Systems bei der Uhrenentwicklung. Die Wahl fiel auf Solid Edge von Siemens PLM Software, weil es in der Uhrenindustrie und auch in Glashütte bereits etabliert ist und Schneider damit vorher gute Erfahrungen gesammelt hatte. Ergänzt wurde Solid Edge um Insight, die auf Sharepoint von Microsoft basierte integrierte Lösung für die Datenverwaltung. Weiterhin stand mit dem Siemens-Partner Procim aus Zwickau ein regionales und kompetentes Unternehmen für die Implementierung und Beratung beim Einsatz der Software zur Verfügung. „Bei der Konstruktion eines neuen Uhrwerks sind zwei Dinge zu berücksichtigen. Welche Funktionen soll die Uhr haben, und wie soll sie aussehen, beispielsweise wie sind die Zeiger der Uhr angeordnet“, so beschreibt Chefkonstrukteur Schneider den Beginn der Entwicklung eines neuen Uhrwerks. „Einfach ausgedrückt besteht ein Uhrwerk aus Zahnradgetrieben auf mehreren Ebenen, mit einer Aufzugsfeder als Antrieb und der Hemmung, mit der eine hohe Drehzahl möglichst genau auf niedrigere Drehzahlen der Sekunden-, Minuten- und Stundenzeiger reduziert werden soll. Komplexer wird es, wenn weitere Funktionen – Komplikationen genannt – gewünscht sind, wie Sekundenstopp, Gangreserveanzeige oder Tourbillon.“

Bei der Neukonstruktion beginnt Schneider mit Skizzen und Berechnungen von Hand. Mit Solid Edge erstellt er dann mehrere 2D-Zeichnungen der Zahnräder und anderer Komponenten, wie Unruh oder Aufzugswerk, sowie deren Anordnung auf unterschiedlichen Ebenen im Uhrwerk. Erst dann werden die 2D-Darstellungen in 3D-Modelle überführt.

„Mit Solid Edge kann ich im Entwicklungsprozess die vielen Änderungen oder Varianten sehr viel schneller umsetzen, als es früher am Zeichenbrett möglich war. Besondere Vorteile bietet die Möglichkeit, Einzelteile direkt in einer Baugruppe modellieren zu können, sowie die integrierte Datenverwaltung mit Solid Edge Insight. Da wir am Anfang ein auf unsere Bedürfnisse angepasstes Nummern- und Klassifizierungssystem aufgebaut haben, sind alle Änderungen jederzeit nachvollziehbar, ebenso erleichtert es die Aus- oder Einblendung bestimmter Baugruppen oder Teilearten bei der 3D-Darstellung am Bildschirm. Ohne CAD und moderne CNC-Maschinen wäre das, was wir bisher realisiert haben, heute nicht mehr machbar“, so Schneider.

Vom Prototyp zur Kleinserie

„Obwohl die Funktion einer komplexen Uhr mit Solid Edge und den modernen Fertigungsmaschinen viel schneller umzusetzen ist als früher, ist dann aber noch viel Zeit und Aufwand erforderlich, um unsere ästhetischen Vorstellungen zu erfüllen,“ ergänzt Rainer Kern, Leiter Kommunikation bei Grossmann. So werden von einer neuen Uhr mehrere Prototypen gefertigt, um Funktion und Aussehen zu prüfen und bei Bedarf zu ändern. Bevor die Uhr dann in die Kleinserienfertigung geht, werden die dafür nötigen Werkzeuge und Vorrichtungen entwickelt, ebenfalls mit Solid Edge. Denn die sehr kleinen Uhrenteile können sowohl für die mechanische Fertigung als auch für die Finissage nur bedingt mit Standard-Vorrichtungen und auch nicht mit Daumen und Zeigefinger fixiert werden.

Weitere Modelle folgen

Heute beschäftigt die Manufaktur bereits 43 Mitarbeiter. Vom Modell Benu sind weitere Varianten in Weißgold und Platin hinzugekommen. Drei weitere neue Uhrenmodelle, mit jeweils neuen Kalibern und in Varianten, wurden inzwischen entwickelt und dem Markt präsentiert. Das Modell Benu mit einer Gangreserveanzeige, die Atum und als Krönung die Benu Tourbillon. Alle Modelle sind mit einer Glashütte-spezifischen 2/3-Platine versehen, die eine dauerhafte exakte Lagerung der Getriebewellen ermöglicht. Besonderheiten der drei neuesten Werke sind eine neu entwickelte Unruh und ein modular aufgebautes Handaufzugsgetriebe mit Drücker. Damit wird die Uhr nach der Zeiteinstellung wieder in Gang gesetzt, die Aufzugskrone geht in die Ausgangslage zurück.

„Ich bin stolz auf das, was wir in kurzer Zeit mit unserem tollen Team erreicht haben, aber es gibt auch noch viel zu tun. Wir wollen regelmäßig neue Modelle und Varianten vorstellen und in kleiner Auflage herstellen. Und wir dürfen unsere potentiellen Kunden nicht zu lange auf die Uhren warten lassen. Dazu müssen wir unsere Fertigung ausbauen. Weiterhin werden wir 2014 den Vertrieb durch neue Konzessionäre auf für hochpreisige Luxusuhren wichtige Märkte wie Asien und die USA erweitern. Mir schwebt vor, dass wir in einigen Jahren mit 90 oder 100 Mitarbeitern, unser Gebäude ist dafür bereits ausgelegt, maximal 1.000 Uhren pro Jahr bauen“, sagt Geschäftsführerin Hutter. -sg-

Grossmann Uhren, Glashütte, Tel. 35053/32000, http://www.grossmann-uhren.com

Siemens PLM Software, Köln, Tel. 0221/20802-0, http://www.siemens.com/plm

Procim Systemtechnik, Stenn, Tel. 0375/541-205, http://www.procim.de



Hannover Messe: Halle 7, Stand E 18

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