smart engineering - Industrie 4.0 aus einer Hand

Mechanik-CADDas Credo von Creo

PTC hat sich mit der Creo-Produktfamilie vorgenommen, für die rollenbasierte Anwendung von CAD-Systemen und die Integration von parametrischer und direkter Modelliertechnik, neue Maßstäbe zu setzen. Manches davon war bislang noch Vision. Mit der Einführung von Creo 2.0 hat das Unternehmen eine einsatzfähige Version auf den Markt gebracht, die neben verbesserten Modellierfunktionen neue Apps für die 2D-Konzeptentwicklung und die PLM-gestützte Produktkonfiguration enthält.
sep
sep
sep
sep
Mechanik-CAD: Das Credo von Creo


Jedem Anwender nur die Funktionen bereit zu stellen, die er für seine tägliche Arbeit benötigt, und ihm die Freiheit zu lassen, nach seiner Façon glücklich beziehungsweise produktiv zu werden - das ist das Cre(d)o, dem sich PTC verschrieben hat. Oder um es frei nach Johannes Mario Simmel zu formulieren: Es muss nicht immer Parametrik (sprich Kaviar) sein, ja nicht einmal 3D. Das vielleicht Überraschendste an der neuen Software-Generation von PTC ist, wie viel Entwicklungsaufwand der Pionier der parametrischen Technologie 50 Jahre nach der Erfindung des ersten Zeichenprogramms durch Edward Sutherland in die Verbesserung der 2D-Fähigkeiten und die Integration von 2D- und 3D-Funktionalität investiert.

Anzeige

Insgesamt 490 Neuerungen und Verbesserungen haben die PTC-Entwickler seit der Vorstellung der ersten Creo-Version programmiert, getestet und dokumentiert - mehr als zwei pro Arbeitstag. Viel Augenmerk haben sie darauf gelegt, die Bedienung der verschiedenen Apps und damit die Effizienz der Anwender weiter zu verbessern. Qualität und Robustheit von Creo 2.0 liegen nach den Maßstäben von PTC über dem Niveau von Pro/Engineer Wildfire 5.0 bei der Markteinführung. Mike Campbell, Chef der MCAD-Division, sprach deshalb bei der Vorstellung der Software von einem „Destination Release“ - einer produktiv einsetzbaren Version, die immer mehr Kunden dazu veranlasst, ihre bestehende Installation zu aktualisieren oder zumindest ernsthaft über einen Umstieg nachzudenken. Übrigens auch in Deutschland, was nicht überrascht, wenn man sich die Neuerungen genauer anschaut.

Um bestehenden Kunden den Umstieg von Wildfire 4 und 5 auf Creo 2.0 zu erleichtern, hat PTC in die Software eine Vielzahl von Hilfen eingebaut. Es gibt mehr als 100 kostenlose Tutorials, die den Umgang mit der neuen Benutzeroberfläche, aber auch mit den neuen Funktionen unter dieser Oberfläche erläutern. Außerdem hat PTC eine Befehlssuche entwickelt, der es den Anwendern erlaubt, in der neuen Umgebung nach bekannten Funktionen zu suchen.

Schneller bei der Konzeptentwicklung

Zu den wichtigsten Neuerungen in Creo 2.0 gehört die App Creo Layout, für die deutsche Kunden wie ZF Friedrichshafen wichtige Anregungen geliefert haben, und für die Mike Campbell deshalb gerade auf dem deutschen Markt ein enormes Potential sieht. Es handelt sich nicht um ein Werkzeug für das einfache Skizzieren - das gibt es mit Creo Sketch schon seit Version 1.0 - und auch nicht um ein Werkzeug für die Migration von 2D-Daten aus anderen CAD-Systemen: Creo Layout ist vielmehr eine Anwendung für Entwickler, die schnell Konzeptentwürfe in 2D erzeugen wollen, und zwar frei von Strukturen und Zwangsbedingungen, die in der frühen Entwicklungsphase eher hinderlich sind. Aber - und das macht die neue App laut Campbell ziemlich einzigartig - mit der Möglichkeit, die Entwürfe nach und nach mit parametrischer „Intelligenz“ anzureichern, um darauf aufbauend schließlich ein 3D-Modell zu erzeugen. PTC trägt mit der Entwicklung von Creo Layout der Erkenntnis Rechnung, dass der 2D-Einsatz gerade bei der Konzeptentwicklung von Produkten mit achsensymmetrischen Komponenten (Turbinen, Getriebe etc.) effizienter ist als der frühe Einstieg in die 3D-Modellierung.

Zweite wesentliche Neuerung in Creo 2.0 ist der Creo Options Modeler, mit dem PTC den Grundstein für die Realisierung der Anybom Assembly-Vision legt. Sie zielt darauf ab, Unternehmen bei der Produktkonfiguration durch den Aufbau einer modularen, flexibel anpassbaren Modellarchitektur zu unterstützen, die über individuelle Stücklisten gesteuert wird. Statt überladene Assembly-Dateien zu erzeugen, die allen möglichen Bauteil-Kombinationen und Einbau-Positionen berücksichtigen, wird die Logik mitsamt den sich gegenseitig bedingenden oder ausschließenden Optionen im PDM-System abgebildet. Campbell verdeutlicht den Unterschied zwischen alter und neuer Arbeitsweise an einem Beispiel: Um ein Fahrrad mit zwei Rahmenformen zu konfigurieren, mussten die Räder bislang mehrfach in verschiedenen Positionen verbaut werden; mit Creo Options Modeler kann man den Rahmen als konfigurierbares Modul auslegen, so dass sich die Position der Räder automatisch anpasst, wenn ein Fahrrad mit anderer Rahmenform gewählt wird.

PDM-gestützte Produktkonfiguration

Im Unterschied zu den übrigen Apps erfordert Creo Options Modeler den Einsatz von PTC Windchill, um die in der Stückliste hinterlegte Logik für die Produktmodellierung nutzen zu können. Die Anbindung externer Konfigurationstools, beispielsweise eines vorhandenen ERP-Konfigurators, ist derzeit nicht vorgesehen. Wesentlicher Vorteil der PDM-gestützten Produktkonfiguration ist laut Campbell, dass sich damit geometrische Repräsentationen von Produktvarianten erzeugen lassen, die in dieser Ausprägung noch nie gebaut wurden. Gleichzeitig sorgt das hinterlegte Regelwerk dafür, dass nur gültige beziehungsweise machbare Konfigurationen erzeugt werden. Creo Options Modeler unterstützt aber nicht nur die Konfiguration, sondern in Kombination mit der Parametric App auch die Validierung der Produktmodelle hinsichtlich Vorgaben wie Gewicht und Schwerpunkt oder möglicher Design-Konflikte. Die neue App ist vor allem für Unternehmen gedacht, die stark konfigurierbare Produkte beziehungsweise Produkte in einer großen Zahl von unterschiedlichen Versionen entwickeln und dabei Methoden wie das Plattform- oder Baukasten-Prinzip anwenden wollen.

Modellierfunktionen weiter entwickelt

PTC hat auch Bedienkomfort und Funktionalität der bestehenden Creo Apps in der Version 2.0 weiter entwickelt, was für mehr Effizienz beim kombinierten Arbeiten mit direkten und parametrischen Modellierfunktionen sorgt. Zu den interessanten Verbesserungen in Creo Parametric gehört die Möglichkeit, Querschnitte eines 3D-Modells zu bearbeiten, das heißt zum Beispiel Bauteile in der Schnittansicht neu zu positionieren, wobei die Software in Echtzeit Kollisionen mit anderen Bauteilen berechnet und in der 2D-Ansicht visualisiert. Der Anwender hat auch in der Schnittansicht den Zugriff auf den Modellbaum mit der gesamten Konstruktionshistorie. Die verbesserten Messfunktionen in Creo Parametric erlauben es ihm, sich einen schnelleren Überblick über zentrale Abmessungen zu verschaffen und sie in anderen Anwendungen weiter zu verwenden.

In Creo Direct ist vor allem das Arbeiten im Baugruppen-Kontext komfortabler geworden. So lassen sich jetzt mehrere Flächen oder Bauteile mit Hilfe der Snapping-Technologie zusammen verschieben und präzise zueinander positionieren. Außerdem kann der Konstrukteur im Assembly-Mode mit klassischen Modellieroperationen wie Extrude oder Sweep neue Geometrien erzeugen. Wird ein Modell parametrischen Ursprungs mit den direkten Modellierfunktionen in Creo Direct verändert und anschließend wieder in Creo Parametric aufgerufen, zeigt die Software anhand farbiger Markierungen an, welche Bauteile sich geändert haben und bietet dem Anwender die Möglichkeit, die Änderungen entweder anzunehmen oder abzulehnen. Die Änderungskontrolle erleichtert die Teamarbeit von unterschiedlichen Anwendergruppen, die wahlweise mit den direkten oder parametrischen Funktionen arbeiten, weil sie die Änderungen für alle Beteiligten nachvollziehbar macht.

Einheitliches Datenmodell

Mike Campbell wies in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hin, dass alle Creo Apps auf einem einheitlichen Datenmodell basieren: „Es gibt nicht ein parametrisches und ein direktes Modell, sondern nur unterschiedliche Sichten auf ein einheitliches Modell. Je nach App werden unterschiedliche Ausschnitte der Informationen angezeigt.“ Das heißt mit anderen Worten, dass die Modellhistorie und Beziehungen eines parametrischen Modells nicht gelöscht, sondern nur ausgeblendet beziehungsweise außer Kraft gesetzt werden, wenn man das Modell in Creo Direct aufruft. Umgekehrt werden auch die direkten Modellieroperationen als spezielle Features im Hintergrund mitgeschrieben, so dass sie im Featurebaum der parametrischen Modellierumgebung editiert werden können. Des gilt im Übrigen auch für Änderungen mit direkten Operationen an einem importierten Modell, nur dass hier die importierte Geometrie als eine Art Basisfeature fungiert.

Die Modellierfunktionen in Creo Direct bieten derzeit noch keinen vollständigen Ersatz für das Direktmodellierungssystem PTC Creo Elements/Direct, das heißt die ehemalige Cocreate-Software. Campbell geht davon aus, dass die ersten Kunden mit Creo 3.0 werden umsteigen können; die meisten müssen aber wohl Creo 4.0 oder 5.0 abwarten. Der ideale Umstiegszeitpunkt hängt im wesentlichen davon ab, welche Funktionen und Zusatzmodule die Anwender derzeit in Creo Elements/Direct nutzen beziehungsweise wann PTC diese Funktionalität den Anhängern der Direktmodellierung in Form von eigenständigen Apps zur Verfügung stellen wird. Oder wie Campbell sich ausdrückte: „Creo Direct wird sicher nie alle Funktionen von Creo Elements/Direct haben, aber die Familie von Creo Apps wird mit der Zeit dieselbe Funktionalität und noch viel mehr umfassen. Beispielsweise eine Routing App, die sowohl mit dem direkten, als auch mit dem parametrischen Modellieransatz genutzt werden kann.“ Und ganz wichtig für die Gemeinde der Cocreate-Anwender: Es wird eine dezidierte App für die Blechbearbeitung geben. Derzeit lassen sich Blechkonstruktionen zwar problemlos in Creo importieren und editieren, aber sie werden nicht als solche erkannt.

Wachsende Zahl eigenständiger Apps

Mit der Einführung von Creo Layout und Creo Options Modeler ist die Zahl der Apps auf zehn angewachsen. Die Planungen von PTC sehen vor, dass es am Ende rund 30 eigenständige Apps geben wird, ohne die Apps von Third-Party-Entwicklern zu berücksichtigen. Zum Teil wird es sich um Apps mit zusätzlichen Funktionen handeln, zum Teil wird aber auch die mächtige Funktionalität der Creo Parametric App neu strukturiert, um sie rollenspezifisch bereit stellen zu können. Neben den Funktionen für die Zeichnungserstellung soll beispielsweise die CAM-Funktionalität herausgelöst und in eigenständige Apps für NC-Programmierung und für den Werkzeug- und Formenbau eingebracht werden. Die Funktionen für die Modellierung anspruchsvoller Freiformflächen werden wahrscheinlich Teil einer dezidierten App für das Industriedesign.

PTC legt auch die Grundlagen für die Entwicklung von unabhängigen Apps. Dafür müssen zum einen wesentliche Bestandteile des Datenmodells offen gelegt und dokumentiert werden, damit Third-Party-Entwickler auf die Geometrie und bestimmte Attribute zugreifen und ihre Daten in das gemeinsame Datenmodell zurückspeichern können. PTC will ihnen darüber hinaus eine Art Vorlage für die Entwicklung von Apps zur Verfügung stellen, mit User Interface Framework, Graphics Engine und Services für die Kommunikation mit einem Datenbanksystem. „Wir gehen davon aus, dass Third-Party-Entwickler für Creo 4.0 die ersten Apps zur Verfügung stellen werden“, sagt Campbell. -sg-


Michael Wendenburg, Sevilla

www.wendenburg,net

Parametric Technology (PTC) GmbH, Unterschleißheim, Tel. 089/321060, http://www.ptc.com/germany

Diesen Artikel …
sep
sep
sep
sep
sep

Weitere Beiträge zum Thema

PLM: Wenn PLM und Mode verschmelzen

PLMWenn PLM und Mode verschmelzen

Auf den Laufstegen der Modenschauen von Mailand und Florenz spielen nicht nur Stoffe oder Schnitte eine Rolle. Im Trend ist vor allem eins: Computertechnik. CAD und PDM/PLM hat inzwischen auch die Modewelt erreicht und ist zu unverzichtbaren Werkzeugen geworden.

…mehr
PTC Thingworx

Internet der DingeFernüberwachung und -wartung mit IoT

Stillstand in der Produktion ist ein Kostenfaktor, der gerne vermieden wird. Deshalb findet das Thema Wartung – inzwischen als Predictive Maintenance, also vorausschauende Wartung – große Beachtung.

…mehr
Industrieautomation

Internet der DingePTC übernimmt Kepware

Der PLM-Anbieter PTC baut seine Internet of Things (IoT) weiter aus und hat hierzu Kepware, spezialisiert auf Kommunikationssoftware zur Automatisierung in der Industrie, für rund 100 Millionen Dollar übernommen.

…mehr
Augmented-Reality-Marktführer Vuforia

Augmented RealityPTC investiert in virtuelle Welten

PTC verstärkt sein Portfolio mit der Augmented Reality Software Vuforia von Qualcomm. Der Kaufpreis beträgt 65 Millionen US-Dollar. PTC wird das Vuforia-Geschäft einschließlich der Entwicklergemeinschaft übernehmen.

…mehr
Stephan Ellenrieder

Product Lifecycle ManagementNeuer PTC-Geschäftsführer für Zentral- und Osteuropa

PTC hat Stephan Ellenrieder Ende Mai 2015 zum Senior Vice President Central and Eastern Europe bei PTC sowie Geschäftsführer von PTC Deutschland ernannt. Er folgt auf Michael Sauter, der das Unternehmen verlassen hat.

…mehr
Anzeige
Anzeige

Anzeige - Highlight der Woche

Mediadaten 2018

Anzeige

White Papers auf smart engineering


In unserer neuen White Paper Sektion finden Sie lösungsorientierte White Paper unserer Partner zu IT-Standards, Anwendungshinweisen, Leistungsübersichten uvm. Jetzt kostenfrei downloaden.

Künstliche Intelligenz: Forschungsroboter “Roboy“ und Martina Mara

Video- Künstliche Intelligenz: Forschungsroboter “Roboy“ und Martina Mara


Welche Wirkung hat der Anblick von Robotern auf Menschen? Mit dieser Frage befasst sich das Team um Professor Markus Appel vom Campus Landau in einem aktuellen Forschungsprojekt. Mit ihrer Studien wollen die Forscher herausfinden, inwieweit wir Menschen künstliche Intelligenz als helfende Hand im Alltag akzeptieren oder ablehnen.

smart engineering in Social Networks

smart engineering Newsletter

smart engineering Newsletter kostenfrei abonnieren

Unser Newsletter informiert Sie über die wichtigsten Neuigkeiten, Produktentwicklungen und Trends aus der Branche. Jetzt kostenlos registrieren.

SCOPE Newsticker