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Enterprise Resource Planning - ERP als Schaltzentrale des Unternehmens

Enterprise Resource PlanningERP als Schaltzentrale des Unternehmens

Wer Industrie 4.0 auf die Fertigungshalle reduziert, hat nicht verstanden, dass die digitale Transformation jeden Bereich erfassen muss. Als wohlvertraute Schaltzentrale des vernetzten Unternehmens bringt das Enterprise Resource Planning (ERP) die nächste industrielle Revolution zu jedem Akteur, mag er der Digitalisierung auch noch so skeptisch gegenüberstehen.

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Fast wöchentlich erscheinen neue Studien und Statistiken, die Aufschluss über den digitalen Reifegrad deutscher Unternehmen geben sollen. Die Beurteilungen, wo diese im Zusammenhang mit Industrie 4.0 stehen, schwanken von „international abgehängt“ bis „Vorreiter“. Und auch in Sachen Arbeitsmarkt gehen die Prophezeiungen auseinander: Inwieweit sind Roboter und die Automatisierung, die bei produzierenden Unternehmen nicht erst seit gestern eingesetzt werden, eine Bedrohung für Arbeitnehmer? Oder eine Chance für völlig neue Berufsbilder? Unterm Strich bleibt eine große Verunsicherung. Die Skepsis unter Mitarbeitern ist oftmals groß; aber das Vertrauen in neue Technologien wächst, je mehr der Nutzen erkennbar wird. Daher darf Industrie 4.0 nicht auf die Fertigung reduziert werden. Daten aus der Produktion müssen für das ganze Unternehmen genutzt werden. Die Schnitt- und Schaltstelle sind hier das ERP-System und Internet of Things im Zusammenspiel mit weiteren Lösungen. Das hilft, die digitale Transformation in die Praxis umzusetzen und einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen.

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Ansprüche an das moderne ERP
Prozesse in der smarten Fabrik und den angegliederten Fachbereichen sind durch hohe Dynamik und Flexibilität gekennzeichnet – das muss ein ERP-System unterstützen. Herkömmliche ERP-Software leistet das nicht, und ein Nachrüsten ist nicht sinnvoll. Dafür wären dynamische Workarounds erforderlich, die immer neuen Programmieraufwand nach sich ziehen und dem Paradigma der intelligenten Fabrik widersprechen.

Als Industrie-4.0-Lösung ist nur ein modernes ERP-System mit direkter Internet-Kommunikation und offenen Schnittstellen geeignet, das mit dem Internet of Things (IoT) in Gestalt einer IoT-Plattform interagiert. Die Offenheit ermöglicht es, nachgeordnete Systeme ebenso wie Lieferanten oder Kunden einzubeziehen. Im einfachsten Fall lassen sich Kunden oder Lieferanten einfach durch Weiterleiten einer URL einbinden. Die Datensicherheit muss ein ausgeklügeltes Berechtigungskonzept gewährleisten, das Mitarbeiter sowie Geschäftspartner einschließt.

Eine komplexe Systemlandschaft kann nur in der Cloud kosteneffizient betrieben werden. Im Idealfall laufen unterschiedliche Lösungen, zum Beispiel ERP, IoT-Plattform, BI, EDI und DMS, in derselben Cloud.

Sowohl Unternehmen mit mehreren Produktions- und Verwaltungsstandorten als auch solche, die mobil auf ihr ERP-System zugreifen wollen, sollten eine browserbasierte und multisitefähige Software wählen. Dann ist es nicht nötig, lokale Apps zu installieren und zu warten.

Und letztlich sollte ein ERP-System dynamisch sein, eine kurze Implementierungszeit und einen kurzen Lifecycle haben – schließlich soll das Internet of Things neue Geschäftsideen hervorbringen und nicht durch Begrenzungen in der Software eingeschränkt werden.

Aus der Ecke ins Rampenlicht
Das ERP-System verdankt dem IoT einen neuen Stellenwert und macht zusammen mit IoT die smarte Fabrik erst möglich. Um das Wechselspiel zu verstehen, sollte man sich im Schnelldurchlauf die Mechanik des IoT vor Augen führen: Cyberphysische Systeme sind miteinander und mit dem Internet verbundene Objekte und erzeugen eine extrem große Menge flüchtiger Daten. In der Fabrik etwa setzen die Produktionsmaschinen regelmäßig Statusmeldungen an das ERP-System ab, aus denen hervorgeht, ob Maschine und Prozess reibungslos laufen. Der Zweck besteht darin, auf Grundlage dieser Daten Abläufe effizienter zu machen, Produkte zu verbessern und beispielsweise schneller zu reagieren, wenn ein Ausfall bevorsteht.

Ein Beispiel: Ein Werkstück wird im Produktionsprozess mittels RFID-Chip identifiziert, nachdem es zu einer Maschine transportiert wurde. Das ERP-System liefert beispielsweise in Form einer Arbeitsgang-ID oder Artikel-ID Informationen an die IoT-Plattform. Die IoT-Plattform greift entsprechend auf den Arbeitsplan für das Werkstück zu und sendet Informationen an Maschinen und Menschen an der Fertigungsinsel, wie das Werkstück zu bearbeiten ist. Das ERP-System steuert also mittelbar die Prozesse, übernimmt weitgehend die Aufgabe eines Manufacturing Execution System (MES).

Wertvolle Daten
Der Datenaustausch ist keine Einbahnstraße: Das ERP-System wird mit prozessrelevanten Echtzeitdaten versorgt, beispielsweise zum Fortschritt eines Produktionsprozesses oder über den Lagerbestand, der mittels Sensoren überwacht wird. Bei allen zuvor definierten Ereignissen (Status oder Fehler) wird immer eine Nachricht an das ERP-System geschickt. Ein Mitarbeiter kann dann darauf reagieren, indem er die aktuellen Kapazitäten der Fabrik direkt im ERP prüft und die Fertigung auf eine andere, intakte Maschine umleitet. Es geht aber noch weiter: Mittels Predictive Maintenance lassen sich ungeplante Stillstände vorhersagen und längere Laufzeiten der Maschinen erreichen.

Daten aus der Produktion können ins Controlling und in die Entwicklung einfließen, um beispielsweise die Stückpreiskalkulation oder die Produktionszeit zu verbessern. Umgekehrt können Echtzeitdaten aus Vertrieb, Logistik und Kundenservice dazu führen, die Lieferzeiten zu verkürzen, Ressourcen zu planen und individuelle Produkte der Losgröße 1 kostendeckend zu produzieren.

Daten erfassen, teilen, nutzen
Anders als das ERP-System lassen sich alte Maschinen, die über keine Sensoren verfügen, recht einfach und kostengünstig mit einer Vielzahl an Sensoren nachrüsten, etwa mit Beacons, wie sie Comarch anbietet. Sie messen beispielsweise Gewicht (Waage), Entfernung (Laser), Bewegung (Lichtschranke), Volumen (Füllstandsmesser), Temperatur (Thermostat), Mechanik (Druckknöpfe) und Luftkonzentration (Luftmessung) und versenden per Bluetooth oder im WLAN Nachrichten über ihren Status. Die Maschinen werden dadurch intelligent, dass sie mit Sensoren ausgestattet und vernetzt werden und somit eine direkte Kommunikation zwischen den Maschinen ermöglicht wird. Zwischen Sender und Enterprise Resource Planning vermittelt eine IoT-Plattform. Die Business-Logik geht einheitlich vom ERP-System oder von dieser Plattform aus. Die vorgeschaltete Plattform managt und integriert Daten, filtert in Echtzeit die fürs ERP-System prozessrelevanten Daten, sorgt für Updates des ERP, startet und kontrolliert die vernetzten Geräte.

Das ERP-System wird zugleich zum Hüter der Datenwahrheit, das heißt: Es sorgt für eine zentrale Datenhaltung über sämtliche Prozesse und sämtliche Standorte hinweg und für eine unternehmensweit einheitliche Informationslage. Gleichzeitig bleibt das Datenmodell so schlank wie möglich, und es werden ausschließlich die Daten verarbeitet, die wirklich benötigt werden. Die Software muss es ermöglichen, dass jeder Mitarbeiter ohne aufwendige Schulungen einfach Analysen zu diesen Daten durchführen kann.

Am anschaulichsten ist Industrie 4.0 in der Produktion zu beobachten: Maschinen schaffen schon seit Jahren ohne Eingreifen des Menschen Höchstleistung. Jedoch sind die technischen Möglichkeiten längst vorhanden, um die Digitalisierung aus der Fertigungshalle heraus über eine intelligente Vernetzung in alle Bereiche zu tragen: in die Lagerwirtschaft und Logistik, in Vertrieb und Marketing, in Kundenservice und Controlling. Der gemeinsame Nenner des ganzen Betriebes ist das moderne ERP-System. -sg-

Autor: Frank Siewert, Vorstand Comarch Software & Beratung AG

Comarch, München, Tel. 089/14329-0, http://www.comarch.de

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