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EDM/PDMGlobale Entwicklungsprozesse

Mit einem "Big Bang" hat Kirchhoff Automotive vor einigen Monaten die PLM-Plattform CIM Database von Contact Software gleichzeitig an weltweit sechs Standorten in Betrieb genommen. Der Entwicklungspartner der internationalen Automobilindustrie setzt die neue PLM-Umgebung für die globale Steuerung seiner Entwicklungsprojekte und die langfristige Geschäftsplanung ein.
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Metall- und Hybridkomponenten von Kirchhoff Automotive geben Fahrzeugen namhafter Automobil- und Nutzfahrzeughersteller Stabilität und Sicherheit. Das mittelständisch geprägte Familienunternehmen, das weltweit über 8.500 Mitarbeiter beschäftigt und 2012 über eine Milliarde Euro Umsatz erwirtschaftete, ist mit der Zeit vom reinen Teilefertiger zu einem Systemlieferanten geworden, der im Kundenauftrag Produkte für den gesamten Karosseriebereich entwickelt und umformgerecht auslegt: Frontends, Stoßfängersysteme, Längs- und Querträger, Motorträger oder Cross Car Beams. „Die zunehmende Komplexität der Karosserien, die sich aus einer Vielzahl eigener und zugekaufter Komponenten zusammensetzen können, war ein wesentlicher Grund für die Einführung der PLM-Lösung“, erklärt Projektleiter Benjamin Müller.

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Davor gab es eine rudimentäre Zeichnungsverwaltung, während CAD-Dateien und andere Projektdaten nach einer gewissen Systematik im File-System abgelegt wurden. Ein zweiter Grund waren die immer komplexeren Prozesse: Die Standorte liefern nicht nur die Komponenten für die Gesamtstrukturen, sondern arbeiten bei größeren Entwicklungsvorhaben auch im Verbund zusammen – normalerweise unter der Projektleitung der Kollegen aus Attendorn, wo das Gros der Konstrukteure sitzt. Aber je nachdem, wo der Auftraggeber das Fahrzeug entwickelt, übernehmen manchmal auch die Kollegen in den europäischen und asiatischen Standorten die Leitung. Die bestehende Lösung war nicht für die standortübergreifende Zusammenarbeit ausgelegt, was dank CIM Database (CDB) jetzt Vergangenheit ist.

CDB ist mit einer großen Bandbreite von PLM-Bausteinen und Integrationen zu den unternehmensweiten Kernanwendungen Catia V5 und NX, MS Office und Outlook, Lotus Notes sowie SAP online gegangen. Kirchhoff Automotive nutzt die neue Plattform für das CAD-Daten- und Dokumenten-Management, die Steuerung von Freigabe- und Engineering Change Prozessen, für das Projektmanagement und das Projektcontrolling.

Der gleichzeitige Roll-out an sechs Standorten ging dank der guten Vorbereitung durch das Projektteam, dem neben den PLM-Experten von Contact zeitweise 34 Mitglieder verschiedener Fachbereiche, Standorte und Länder angehörten, an einem Wochenende reibungslos über die Bühne. Rund 250 Anwender wurden in Deutschland geschult, darunter auch die Key User der Auslandsstandorte, so dass sie ihre Kollegen einweisen konnten. Derzeit arbeiten weltweit rund 400 Mitarbeiter mit dem System. Neben den Entwicklern nutzen auch Mitarbeiter der Bereiche Vertrieb, Projektmanagement, Kalkulation und Qualitätsvorausplanung, Methodenplanung, Einkauf, Controlling und Arbeitsvorbereitung CDB für das Daten- Dokumenten- und Prozessmanagement sowie für die Information über das digitale Archiv.

Leistungsfähiges Multi-CAD-Datenmanagement

Alle Daten und Dokumente geschützt und geltungssicher vorzuhalten, ist einer der unmittelbaren Nutzeffekte der PLM-Lösung, wie Müller sagt: „Außerdem lassen sie sich viel schneller suchen und finden.“ Gleichzeitig sorgt die Versionsverwaltung des Systems automatisch dafür, dass alle Informationen immer auf dem aktuellen Strand sind. Laut Müller reduziert dies am Ende auch die Durchlaufzeiten, insbesondere bei komplexen Entwicklungsprojekten.

Die PLM-Lösung ist bei Kirchhoff Automotive als Client-Server-Lösung mit zentraler Metadatenhaltung in Attendorn und lokalen Servern für die Anwendungsdaten (CAD-Daten, Office-Dokumente etc.) implementiert. Mit Hilfe der EdgeServer-Technologie von Contact werden die Daten standortbezogen repliziert, so dass in Attendorn immer der gesamte Datenbestand verfügbar ist, während die Standorte nur die für ihre jeweiligen Projekte benötigten Daten lokal vorhalten. Das hat den Zugriff beschleunigt. „Unsere chinesischen Kollegen konnten früher Tee trinken gehen, wenn sie ein CAD-Modell von uns benötigten“, sagt Müller lächelnd.

Die weltweite Verfügbarkeit mit guter Performance war eine der Kernanforderungen an das neue PLM-System, eine andere deren Multi-CAD-Fähigkeit. Müller betont: „Wir arbeiten immer mit dem CAD-System, das uns der Auftraggeber vorgibt. Wechselt ein OEM beispielsweise sein System, müssen wir flexibel darauf reagieren können.“ Um mittelfristig den gesamten Produktentstehungsprozess (PEP) im PLM abbilden zu können und das Projektcontrolling zu verbessern, zählte außerdem ein leistungsfähiges Projektmanagement zu den wesentlichen Auswahlkriterien von Kirchhoff Automotive – ebenso wie auch die Skalierbarkeit und Konfigurierbarkeit der Software, um die PLM-Umgebung einfach erweitern und auf die unternehmensspezifischen Prozesse anpassen zu können.

Da das Unternehmen von Anfang an eine umfassende PLM-Strategie verfolgte, hat es neben den Entwicklern auch Mitarbeiter aus den anderen Fachbereichen in das Projektteam eingebunden. Entsprechend aufwändig war der Auswahlprozess, in dem alle relevanten Anbieter evaluiert wurden. Beim Benchmark konnte Contact nicht nur durch die Offenheit und CAD-Unabhängigkeit sowie die breite Funktionalität seiner Software überzeugen, sondern auch durch die guten Referenzen. Ein Vorteil des PLM-gestützten Arbeitens ist, dass die Konstrukteure ihre CAD-Daten nicht mehr manuell umbenennen müssen. Auch profitieren sie davon, Baugruppen en bloc anlegen zu können und erst dann als einzelne Objekte einzuchecken, wenn dies für andere Prozesse nötig ist. Neue Artikel werden heute direkt in CDB angelegt und dann ab einem bestimmten Freigabestatus automatisch an SAP übertragen, um sie dort um kaufmännische und logistische Daten zu ergänzen. Die ERP-Schnittstelle wird demnächst auch bidirektional arbeiten, so dass Anwender beispielsweise online den Lagerbestand abrufen können.

Größte Herausforderung bei der PLM-Einführung war die Datenmigration, die mit einem Volumen von vier Terabyte erheblich mehr Zeit in Anspruch nahm als ursprünglich veranschlagt. „Das würde ich beim nächsten Mal früher angehen“, empfiehlt Müller. Insgesamt mussten 37.000 Projekte mit 62.000 Artikeln und 990.000 Dokumenten, darunter fast 300.000 Catia- und NX-Modelle und- Zeichnungen migriert werden. Schwierig war die Übernahme der CAD-Daten selbst: Der Mittelständler ist für viele unterschiedliche Auftraggeber tätig und hatte die Daten entsprechend der Arbeitsweise des Kunden strukturiert. „Bei den ersten Tests hatten wir eine zu hohe Fehlerquote, die wir dank der Unterstützung durch Contact am Ende auf 0,1 Prozent reduzieren konnten“, berichtet Müller.

Umfassendes Projektcontrolling

Heute gibt es bei Kirchhoff Automotive aktive Projekte im dreistelligen Bereich, und jedes Jahr starten einige hundert neue Projekte, die jetzt mittels des integrierten Projektmanagements abgewickelt werden. Der Vertrieb legt schon bei einer Angebotsanfrage ein so genanntes RFQ-Projekt an, in der alle für die Bearbeitung der Anfrage erforderlichen Unterlagen abgelegt werden – einschließlich der E-Mails, die wichtige Absprachen enthalten können. Aus dem Projektmanagement werden dann Prozesse wie die Prüfung der Herstellbarkeit, Kalkulation und Methodenplanung angestoßen, die gegebenenfalls in einem Angebot münden, das ebenfalls in das RFQ-Projekt kommt.

Für jedes Projekt werden ein Projektleiter und ein Team benannt; die entsprechenden Rollen sind in der Rechteverwaltung von CDB hinterlegt. „Wir haben bereits jetzt einen guten Überblick über die laufenden Projekte. Allerdings müssen wir die Verfahren noch ergänzen, um den Reifegrad eines Projekts jederzeit verlässlich bewerten zu können“, erläutert Müller. Im Rahmen des CDB-Moduls für das Engineering Change Management hat Contact einen unternehmensweit einheitlichen Änderungsprozess abgebildet, der auf die spezifischen Anforderungen von Kirchhoff Automotive zugeschnitten wurde.

Das Projektmanagement soll in den nächsten Schritten dahingehend erweitert werden, dass alle Phasen des PEP umfassend unterstützt werden: mit einer abgestuften Aufgabenstruktur, entsprechenden Meilensteinen, Prüfpunkten und Quality Gates, Checklisten und standardisiertem Reporting. Außerdem will man mit PLM-Unterstützung die Kontrolle und Steuerung der Projektkosten erleichtern. Auch soll das Kalkulationssystem angebunden werden, um die Plandaten in CDB einzuspeisen, die dem Projektleiter als Grundlage für seine Budgetierung dienen.

Kirchhoff Automotive achtet sehr auf Kosteneffizienz. Umsätze und Gewinne für zukünftige Geschäftsjahre lassen sich jetzt mit einer in CDB integrierten Sales-Datenbank kalkulieren. Müller erklärt, warum die PLM-Lösung dafür besser geeignet ist als das ERP-System: „Wir bekommen heute schon Aufträge für Karosserieteile von Fahrzeugen, die vielleicht erst in einigen Jahren gebaut werden, und die deshalb noch nicht in das ERP-System eingespeist sind. Wir wissen auch noch nicht genau, wie viele davon benötigt werden. Contact hat deshalb die Datenbank eines amerikanischen Instituts an CDB angebunden, das Prognosen über die zu erwartenden Absatzzahlen erstellt. Dadurch können wir den Teilen Stückzahlen zuordnen und ausgehend von den Daten aus dem Kostenkalkulationssystem die zu erwartenden Umsätze abschätzen.“

Dies ist für das Unternehmen sehr wichtig, um frühzeitig die erforderlichen Kapazitäten planen und Investitionsentscheidungen unterstützen zu können. Als Spezialist für das Umformen von komplexen Karosserieteilen muss der Automobilzulieferer beispielsweise bei der Beschaffung einer großen Pressenanlage mit Lieferzeiten von bis zu zwei Jahren rechnen. Auch möchte man die Auslastung der verschiedenen Werke vorausplanen und gegebenenfalls Aufträge von einem Standort an den anderen verlagern können. -sg-

Michael Wendenburg

Sevilla (www.wendenburg.net)

Contact Software GmbH, Bremen, Tel. 0421/20153-0 http://www.contact.de

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