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EditorialZeit für Zweitakter und Zahnräder

„Daddeln statt Schrauben hat Hochkonjunktur“

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Fahrzeuge bestimmen unser Leben! Zumindest sagen das diejenigen, die vom Carsharing wenig halten und lieber das eigene (oder den Firmen-Pkw) in der Garage haben. Bei mir fing das schon früh an: In den 1960ern das Metall-Tretauto, in den 70ern das Bonanza-Fahrrad (mit der Aua-Stange), später ein Tourenrad und dann – endlich – das lang ersehnte Mofa. Was folgte nach der ersten Testfahrt? Genau: Das „Feintuning“ am Zweitakter, den Zahnrädern, am Auspuff. Alles wurde zuerst einmal zerlegt, begutachtet, umgebaut. Die Technik- und Frisiertipps kamen statt aus dem Internet von den Kumpels aber auch von den Metallern aus dem Freundes- und Familienkreis. Später ging es dann weiter mit Kleinkraftrad, Motorrad und schließlich mit dem ersten Auto. Die Ölwechsel wurden selbst durchgeführt und auch alle überschaubaren Reparaturen nach Möglichkeit in Eigenregie erledigt, denn für die Werkstatt hatte man weder als Schüler noch als Student das notwendige Kleingeld. So sparten wir unser Taschengeld und lernten – ganz nebenbei – mit Werkzeug und Werkstoffen umzugehen. Bekamen Einblick, wie ein Verbrennungsmotor funktioniert, lernten Fahrwerkskonstruktionen kennen. Schon im Jungenalter wurden selbstverständlich auch Fahrradreifen geflickt, Ketten geölt und sogar das eine oder andere Ersatzteil zurechtgebogen. Ich kannte in meiner Jugend keinen, der nicht regelmäßig am Schrauben war.

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Und heute? Mofas sind out, Hercules und Zündapp gibt’s nicht mehr (zumindest nicht in der bekannten Form). Wenn schon Zweirad, dann muss es heute ein Plastikroller sein, an dem es kaum noch etwas zu reparieren gibt. Und defekte Räder kommen zum Radladen, weil Papa keine Zeit hat. Ganz nebenbei geht so der Bezug zur Technik verloren. Viele Kinder und Jugendliche interessieren sich leider auch nicht mehr dafür, wie man sein Rad repariert oder ein Verbrennungsmotor funktioniert. Auch wenn man als Erwachsener das Thema „Frisieren“ heute anders als vor einigen Jahrzehnten bewertet, stimmt es schon nachdenklich, dass sich viele mehr für Smartphones, Tabletcomputer und Apps interessieren als für die Mechanik. Das Daddeln hat leider Hochkonjunktur. Ob sich dies in den nächsten Jahren negativ auf die handwerklichen Fähigkeiten unseres Nachwuchses, die Begeisterung für Metallberufe oder auf die Zahl der Studienanfänger in technischen Studiengängen auswirkt, wird sich zeigen.

Ich bin der festen Überzeugung, dass ein guter Handwerker, ein pfiffiger Konstrukteur oder ein cleverer Ingenieur schon in frühester Jugend begeisterte Schrauber waren. Damit das so bleibt, sollten wir uns die Zeit nehmen mit dem Nachwuchs (Jungs, aber auch gerne Mädchen) defekte Geräte oder Fahrzeuge auseinanderzunehmen und eine Reparatur zumindest versuchen. Wegwerfen und neu kaufen geht dann immer noch. Lohnen wird es sich auf jeden Fall, denn gemeinsam etwas Sinnvolles zu unternehmen ist allemal besser als Computerspielen zu frönen. Und: Gelingt die Reparatur, dann haben wir etwas gelernt und teilen ein Erfolgserlebnis.

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