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„Zurück auf Start mit Reverse-Engineering“

Ich bin ein bekennender Analog-Fan. Bei aller Begeisterung für Technik sind es doch die analogen, realen Dinge, die mich mehr begeistern. Statt computeranimierter Filme mit unglaublichen Stunts mag ich das zerfurchte Gesicht von Jack Nicholson in Großaufnahme weit mehr als Retorten-Akteure in Filmen wie Avatar. Und eine echte Les Paul-Gitarre, ein akustisches Schlagzeug oder ein richtiger Flügel klingen allemal besser als digitale Sounds. Das Reproduzieren realer Dinge ergibt – für meinen Geschmack – meistens nur eine schlechte digitale Kopie. Etwas anderes ist das in der Produktentwicklung. Hier muss das Rad nicht immer neu erfunden werden. Kopieren und Reproduzieren ist in diesem Bereich absolut sinnvoll. Reverse-Engineering lautet hier das Schlagwort. Auch wenn dieser Begriff verschieden ausgelegt wird, beschreibt er doch in den meisten Definitionen die Überarbeitung eines Produktes. Im erweiterten Sinn geht es um das Wiederverwenden bereits entwickelter Teile, Software-Modelle oder eben ganzer Produkte – beispielsweise durch das Einscannen und Digitalisieren der Daten, die danach wieder im CAD-System landen.

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Reverse-Engineering beschreibt aber auch den in vielen Branchen üblichen Prozess der Teilezerlegung. Dabei werden eigene und auch Wettbewerbsprodukte auseinander gebaut, die Bauteile gewogen, gemessen und auf Material, Produktionsverfahren, Fertigungsqualität und viele andere Details untersucht. Manche Unternehmen gehen mittlerweile sogar einen Schritt weiter und ziehen aus den so ermittelten Vergleichsdaten weiter führende Schlüsse über Patentverletzungen oder Entwicklungszyklen. Im Automotive-Bereich und bei großen Unternehmen ist dies bereits relativ weit verbreitet. Ganz anders im klassischen Mittelstand. Hier verbieten sich viele den Blick auf fremde Produkte. Selbst auf eigenen Entwicklungen wird zu selten aufgebaut, erzählen mir immer wieder Mitarbeiter aus der Produktentwicklung. Chinesische Unternehmen kennen diese Hemmschwelle bekanntermaßen nicht. Dort ist das Kopieren von Vorbildern sogar ausdrücklich erwünscht und gilt als Ehre für den Urheber. Bei uns ist es dagegen ehrenrührig, Produkte zu kopieren und zu Recht illegal. Ein bisschen Inspiration und Benchmarking kann aber nicht schaden. Und das Wiederverwenden des eigenen Wissens sollte bei allen Herstellern selbstverständlich sein.

Übrigens: In der Musik nennt man eine Kopie eines Songs eine Cover-Version. Und die sind manchmal besser als das Original. Inspiration kann also nicht schaden.

Ihr

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