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EditorialHebel ja – aber nur richtig angesetzt

„Nur Forschung und Entwicklung sichern die Position am Weltmarkt – nicht die Währung!“

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Gerade erst ist die Erweiterung des so genannten ‚Rettungsschirms‘ zur Stabilisierung des Euros mit großer, parteiübergreifender Mehrheit vom Deutschen Bundestag verabschiedet worden, schon taucht das Schlagwort von der ‚Hebelung‘ auf. Ingenieure wissen Hebel seit jeher effektiv einzusetzen. Allerdings wissen sie auch: Falsch angesetzt, nützt der ganze Hebel bestenfalls nichts oder man erzeugt direkt Schrott – ohne Umwege.

Anfang Oktober fand sich dazu auf den Online-Seiten der FAZ die folgende Antwort in einem Interview: „Diese Entwicklung (hin zur Transferunion), die längst begonnen hat, wird langfristig die Minderung der ökonomischen Leistungsstärke und Konkurrenzfähigkeit der EU am Weltmarkt zur Folge haben. Durch eine Transferunion wird die Wettbewerbsfähigkeit auch der starken europäischen Volkswirtschaften leiden infolge der hohen Kosten, die sie tragen müssen. Durch den ständigen Abfluss der Ressourcen werden in den entwickelten Gesellschaften die Mittel für Forschung und Entwicklung, für Investitionen und Innovationen knapper werden, so dass sie mit den dynamisch aufstrebenden Staaten der Welt nicht mehr mithalten können. Darunter litte auch Griechenland, aber das begreifen viele Griechen nicht.“ Gesagt hat dies ein Grieche, der Soziologe Michael Kelpanides.

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So bestechend logisch die Antwort ist, so schnell drängt sich einem die Frage auf, ob das die Befürworter des Rettungsschirms im Bundestag begriffen haben. Ironischerweise argumentieren ja gerade sie damit, dass nur über die Stabilisierung der Gemeinschaftswährung das Exportland Deutschland die Chance hat, seine Position auf dem Weltmarkt zu halten. Vordergründig mag das als richtig erscheinen, der Pferdefuß dabei aber ist: Notwendige Voraussetzung für den Erfolg auf dem Weltmarkt sind innovative Produkte. Haben wir die nicht mehr, nützt uns auch der Euro nichts mehr. Oder anders herum: Können deutsche Unternehmen die besten Produkte anbieten, kann man die nur bei ihnen kaufen – dann würde auch eine aufgewertete Währung (etwa ein ‚Nord-Euro‘) nicht schaden. Entscheidend ist also, an welcher Stelle wir den Hebel ansetzen – die Finanzierung ganzer Staaten ist jedenfalls nicht die richtige.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich halte die europäische Einigung in Folge des zweiten Weltkriegs für eine der herausragenden politischen Entwicklungen und Leistungen. Sie steht und fällt aber nicht mit dem Euro. Im Gegenteil: Die wie auch immer geartete Bevormundung oder Sanktionierung – die beispielsweise gerade die Griechen in Form der ‚Troika‘ aus EU, EZB und IWF erleben – liefert hier erst die Sprengkraft. Dazu muss man sich nur vor Augen halten, dass Deutschland selbst schon heute nicht alle Kriterien des Vertrags von Maastricht einhält. Müssten wir dann einmal in Folge einer Krise erneut eine ‚Abwrackprämie‘ finanzieren, könnten wir die Kandidaten für die Bevormundung sein. So viel kann keine Währung wert sein. Und was die Griechen angeht: Ihnen gegenüber sollten wir uns solidarisch verhalten – wenn es um ihre Entwicklung geht und nicht um die Rettung europäischer Finanzunternehmen; wenn also der Hebel an der richtigen Stelle angesetzt wird!

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