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EditorialSchöne neue Welt?!

„Auch die Allgemeinheit muss profitieren“

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Ende letzten Jahres wurde bekannt, dass Daimler in den kommenden Jahren das CAD-System wechselt. Der Automobilbauer wird dafür gute Gründe haben, doch auf viele Zulieferer kommen Arbeit und Kosten zu, denn nicht selten fordert der Kunde ein bestimmtes Datenformat. Will heißen: Daimler wechselt, und in der der Folge werden sich auch viele Zulieferer ein zusätzliches CAD-System anschaffen müssen. ‚Muss das denn sein‘, mag manchem durch den Kopf gehen, und die Frage nach Neutralformaten taucht wieder auf. Obwohl es diese Frage gibt, seit CAD-Systeme existieren, gibt es bislang keinen durchgängigen Standard – da wird beim Konvertieren aus einem Motor schnell mal ein Sputnik.

Doch die CAD-Welt ist nicht allein mit dieser Problematik. Haben Sie vielleicht in letzter Zeit mal einen Fernseher getauscht? Ich hatte das ‚Vergnügen‘, und zugegebenermaßen kann man diesen heute relativ problemlos mit dem Computer verbinden – das multimediale Zeitalter lässt grüßen. Aber durchgehend kompatibel ist das alles nicht. Denn abseits technischer Unverträglichkeiten können einen die zahlreichen Video- und Audioformate auf die Palme bringen, erfordern sie doch häufig spezielle Software, um sie abzuspielen.

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Nun kann man wohl annehmen, dass das alles – theoretisch – viel einfacher sein könnte und dass das ganze Thema Rechteverwaltung die Sache verkompliziert. Was wieder zu der Frage führt: Muss das sein? In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick auf eine Meldung, die Spiegel Online im August letzten Jahres unter dem Titel ‚Explosion des Wissens‘ veröffentlichte. Darin kommt der Wirtschaftshistoriker Eckhard Höffner zu dem Schluss, dass sich in Deutschland im 19. Jahrhundert eine beispiellose Explosion des Wissens vollzog – anders als in England und Frankreich. Interessant ist seine Analyse, weil er einen Zusammenhang mit dem Urheberrecht sieht. Während beispielsweise in England Bücher nur überteuert und mit geringer Auflage erschienen, konnten sich deutsche Verleger nur mit günstigen Taschenbüchern und hohen Auflagen vor Plagiaten retten. Autorenrechte spielten – aufgrund der deutschen Kleinstaaterei – noch keine Rolle. Was für die Autoren zunächst schlecht schien (da ich selbst einer bin, kann ich das nachvollziehen!), war ganz offensichtlich für die Allgemeinheit ein Gewinn. Zumal es nicht nur um Romane ging, sondern auch um Deichbaukunde, Getreideanbau oder Stahlproduktion. Und was die Autoren angeht: Dem Bericht zufolge erwirtschaftete der Berliner Professor Sigismund Hermbstädt mit seinem Werk ‚Grundsätze der Ledergerberei‘ dennoch ein höheres Honorar als die britische Autorin Mary Shelley mit ihrem ‚Frankenstein‘.

Spontan drängen sich da eine Menge Parallelen zu den weiter oben angesprochenen Themen auf, auch rund um den Bereich Software und Patente ließe sich trefflich diskutieren. Zusammengefasst könnte man aber formulieren: Wer zu sehr auf den eigenen Vorteil achtet (selbst wenn er ‚im Recht‘ ist), schadet letztlich nicht nur der Allgemeinheit, sondern auch sich selber. Oder um auf das Thema CAD zurückzukommen: Ein wirklich durchgehend akzeptiertes Neutralformat – JT könnte das vielleicht werden – würde die Anwender entlasten. Statt sich um ‚passende Software‘ oder Datenkonvertierung zu kümmern, bliebe mehr Zeit für Innovationen! Und davon leben wir alle! Letztlich profitieren davon auch die CAD-Hersteller, denn je mehr entwickelt wird, desto mehr Software kommt zum Einsatz – zudem spielt dann Funktionalität eine größere Rolle als Formate. Einige scheinen das genauso zu sehen. Und wenn Sie mir eine letzte Bemerkung erlauben: Vielleicht ist das auch der einzige Weg, uns in einem globalen Wettbewerb zu behaupten, in dem Patente nicht vor Plagiaten schützen.

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