smart engineering - Industrie 4.0 aus einer Hand

EditorialRosa Wolken

»Die Sicherheit unter dem eigenen Dach ist kontrollierbar«

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Als letzte Amtshandlung für dieses Heft schreibe ich das Editorial. Eigentlich hatte ich ein anderes Thema im Blick, bin aber mit Blick auf die bereits gestalteten Seiten immer wieder auf »Cloud Computing« gestoßen. Jetzt hat es die IT-Branche doch wieder geschafft eine »neue Sau durchs Dorf zu treiben«, wie es so schön heißt. In den vergangenen Wochen waren die Clouds auch immer wieder ein Thema auf Anwendertreffen, Tagungen und Pressekonferenzen. Die CEOs und Marketingprofis wurden nicht müde, die unglaublichen Chancen zu betonen, die diese Technologie mit sich bringen soll: Firmen können perfekt auf sie abgestimmte Programmpakete nach Bedarf mieten und skalieren, weltweit kann auf Datenbestände zugegriffen werden, die Zusammenarbeit von Teams (Collaboration) wird endlich Realität oder man kann gleich sein gesamtes Rechenzentrum auslagern und zurückmieten. Irgendwie wecken viele dieser Konzepte ein Déjà-vu in mir, wenn auch mit anderen Bezeichnungen. Denn das Auslagern von Anwendungen lief schon einmal unter der Bezeichnung Application Service Providing (ASP). Und beim Collaboration kann ich auch keine neuen Aspekte erkennen. Und doch finden sich auch Marktforscher wie Gartner, die solche IT-Trends mit irgendwelchen Daten untermauern. Andere »Forscher« finden heraus, dass beachtliche »87 Prozent der deutschen Unternehmen Investitionen in Cloud-Services planen«. Auch die IT-Messen freuen sich. Die Cebit meldet, dass »Angesichts der angespannten internationalen Wirtschaftslage ein Toptrend der Cebit zur rechten Zeit kommt. Cloud Computing bietet kleinen wie großen Unternehmen ein enormes Potenzial für Kosteneinsparungen.« Weitere Jubelumfragen erspare ich Ihnen.

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Datensicherungslösungen, Software as a Service (SaaS), Collaboration-Anwendungen – alles soll nun in die Wolke gepackt werden. Einige dieser Ansätze sind bereits gescheitert an technischen Hürden oder dem realen Desinteresse der Kunden. Kein Wunder, denn wer gibt schon gerne seine Daten und IT-Know-how aus der Hand? Hochsensible Daten einfach so in ein Rechenzentrum irgendwo auf der Welt auslagern und anschließend per Web-Zugang abrufen, sollte Sorgenfalten auf die Stirn zaubern. Angesichts der latenten Gefahr des Datendiebstahls und der Erfahrungen mit ständigen Hackerangriffen ist Skepsis angebracht. Wer garantiert für die Sicherheit solcher Angebote und Lösungen? Wie viel ist die Garantie eines Anbieters wert, wenn wir in einem Zeitraum von zehn oder zwanzig Jahren denken? Was passiert, wenn solche Unternehmen Pleite gehen? Seit dem Bankrott von Lehmann & Co. scheint alles möglich. Und ob es sinnvoll ist, die eigenen Inhouse-Kapazitäten in der kaufmännischen und technischen IT auszulagern, darf bezweifelt werden. Sind hier neue Strukturen geschaffen, gibt es kaum ein Zurück.

Ich frage mich auch, ob einer der Cloud-Befürworter sich auch schon Gedanken über die Netzkapazitäten in Deutschland, Österreich und Schweiz gemacht hat? Alle drei Länder sind – zu ihrem Vorteil – geprägt von mittelständischen Unternehmen. Diese sind oft auch in ländlichen Gebieten angesiedelt. Die vielgepriesene Erschließung mit schnellen Internet-Zugängen, die zumindest deutsche Politiker immer wieder versprochen haben, ist bislang ausgeblieben. Und wer eine der genannten Applikationen mit einem DSL-Anschluss von zwei oder sechs Megabit betreiben möchte, dem wünsche ich viel Glück und Geduld. Da müssen erst die Netzbetreiber endlich ihre Hausaufgaben erledigen oder die weltweit verteilten Spammer ihre Aktivitäten einstellen, denn die sind für mehr als 80 Prozent des E-Mail-Verkehrs zuständig und belasten das Web gehörig.

Wie auch immer, das letzte Wort in dieser Sache haben Sie – der Kunde. Sie entscheiden, ob »Cloud Computer« in der rosa Wolke bleibt oder Realität wird.

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