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EditorialDas Dilemma mit dem CO2-Ausstoß

„E10-Umstellung hätte Sternstunde des PLMs sein müssen!“

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„Die Zahl der Mitarbeiter, die man braucht, um ein Auto zusammenzuschrauben, scheint wohl vom CO2-Ausstoß abhängig zu sein“, ätzte letztes Jahr der Kabarettist Volker Pispers. Aufs Korn nahm er damit die Befürchtung der Automobilindustrie, ein EU-Beschluss zur Senkung des Kohlendioxid-Ausstoßes koste Arbeitsplätze in Deutschland. Pispers beschwerte sich, dass man uns als Dilemma verkaufen wolle: „Retten wir die Arbeitsplätze oder retten wir den Planeten?“ Diese provokante Sicht regt zum Nachdenken an, schafft es doch die Automobilindustrie durchaus, effizientere Motoren zu entwickeln. So blieb etwa mein Durchschnittsverbrauch von 7,5 l Super/100 km in den letzten zehn Jahren nahezu konstant. Gegenüber früher stehen mir allerdings nun 90 anstelle von 66 kW Leistung zur Verfügung – was bei gleichem Verbrauch einer Leistungssteigerung von über einem Drittel entspricht! Und dazu ersetzen diverse Elektromotörchen das Fensterkurbeln oder die Sitzverstellung. Damit richtet sich an uns Verbraucher die Frage, ob sich dieser Effizienzgewinn nicht besser in Form eines niedrigeren Verbrauchs nutzen lässt. Dann müssten wir aber auch sparsamere Autos kaufen!

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Ein ähnliches Ping-Pong-Spiel zwischen Verbrauchern und Herstellern findet sich bei der derzeit laufenden – oder besser stockenden – Einführung des E10-Kraftstoffs an den Tankstellen. Und das schmerzt insbesondere alle, die sich mit dem Thema Product Lifecycle Management (PLM) beschäftigen. Denn die E10-Umstellung hätte eigentlich die Sternstunde des PLMs sein müssen. Dass gerade einmal fünf Prozent mehr Ethanol im Sprit nun dazu führen, dass der Wirtschaftsminister zum ‚Benzin-Gipfel‘ lädt, ist mindestens erstaunlich – wenn nicht erschreckend. Lässt man einmal die Frage offen, ob die Bilanz für mehr Ethanol nun in der Summe positiv ausfällt oder nicht, ist aktuell die Verunsicherung der Autofahrer ein Grund für die Probleme. Wer nicht weiß, ob das Kraftstoffsystem E10 verträgt oder nicht, bleibt lieber auf der sicheren Seite, auch wenn das mehr Geld kostet.

Diese Unsicherheit ist ein Unding. Immerhin reden wir seit mehr als einem Jahrzehnt davon, per Software alle Facetten des Lebenszyklus von Produkten abzubilden. Da kann es doch kein Problem sein, klipp und klar festzustellen, ob ich nun E10 tanken darf oder nicht. Ist es eigentlich auch nicht! Herstellerseitig sind diese Informationen verfügbar – nur gelangen sie nicht problemlos zu den Autofahrern. Und das, obwohl derzeit (Anfang März) beispielsweise auf den Internetseiten von Audi, BMW, Daimler, Ford, Opel und Volkswagen direkt auf der Startseite die E10-Thematik verlinkt ist. Wer will, findet also hier durchaus die gewünschte Information!

Wer nun sagt, für die Probleme könne die Software nichts, liegt falsch. Denn beim PLM handelt es sich ja gerade nicht nur um die Kombination verschiedener Software-Pakete, sondern um ein Konzept, mit dem sich alle anfallenden Aufgaben rund um Produkte managen lassen. Will heißen: Dazu gehört auch die Kommunikation mit den Kunden, in diesem Fall den Autofahrern. Offenbar bevorzugen viele doch eine individuelle Auskunft anstelle einer Suche in teils langen Listen mit Bauart-Abkürzungen und Seriennummern. Selbst die leidige Frage der Haftung darf letztlich nicht verhindern, dass der Kunde diese Auskunft erhält – denn das sollte doch gerade die Stärke des PLM-Ansatzes sein. Nicht als Vorbild dienen können hier (wieder einmal) die Banken, die bei Überweisungen inzwischen die Verantwortung für die stimmige Eingabe der Kontonummer an ihre Kunden deligiert haben. Und das, obwohl gerade per Software ein automatischer Abgleich von Empfängername, Bankleitzahl und Kontonummer noch die einfachste Aufgabe sein sollte.

Wie die in PLM-Umgebungen gespeicherten Informationen also letztlich auch den Kunden Nutzen bringen, bleibt eine spannende Frage – und darauf muss es eine Antwort geben. Auch wenn die vermutlich nicht mehr verhindert, dass sich Volker Pispers der E10-Thematik annimmt.

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