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EditorialDie richtigen Fragen stellen!

„Der Kostenbetrachtung Grenzen setzen!“

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In Zeiten der digital unterstützten Produktentwicklung ist es Ingenieuren gelungen, die Risiken neuer Produkte zu minimieren. Das war leider nicht immer so. Als Anfang der 50er Jahre mit der Comet von de Havilland das Zeitalter der Düsenverkehrsflugzeuge begann, erkannte man erst nach einigen Abstürzen, welch hohen Belastungen ein Rumpf mit Druckkabine ausgesetzt ist, wenn er sich bei jedem Flug wie ein Luftballon dehnt und anschließend wieder zusammenzieht. Moderne Simulations-Software hätte die Analyse der Belastungen sicherlich erleichtert. Ob sich damit allerdings die Abstürze hätten vermeiden lassen, ist sehr viel schwieriger zu beantworten. Denn um Software hilfreich einzusetzen, muss der Anwender zuvor die richtigen Fragen stellen, sein Augenmerk auf die kritischen Stellen lenken. Ohne Know-how geht das nicht. Insofern sollte man die Meldungen zu Haarrissen in der Flügelstruktur des A380 nicht überbewerten – hier wissen die Ingenieure, wo sie hinschauen müssen.

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Angesichts des ungleich größeren Risses im Rumpf des auf Grund gelaufenen Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia wird allerdings klar, dass sich konstruktiv nicht jeder mögliche Unfall ausschließen lässt. Auch das Prinzip der Schotten stößt an Grenzen, wenn ein Riss zu viele davon flutet. Damit rückt die Frage des Rettungssystems in den Vordergrund und die grundsätzliche Überlegung, wie groß ein Schiff sinnvollerweise sein kann. Mehr als 3000 Passagiere und rund 1000 Besatzungsmitglieder befanden sich an Bord der Costa Concordia; auf der Allure of the Seas sind es nach Angaben der Reederei bereits bis zu 5400 Passagiere und 2100 Besatzungsmitglieder. Lassen sich Schiffe dieser Größenordnungen im Ernstfall wirklich evakuieren? Zweifel sind angebracht, zumal nicht immer das rettende Ufer so nah liegt wie bei der Costa Concordia und dieses Beispiel zeigt, dass aufgrund der Schlagseite nicht immer alle Rettungsstationen verfügbar sein müssen. Zweifel darf man diesbezüglich auch beim A380 haben. Zwar wurde der für die Zulassung erforderliche Evakuierungstest bestanden, bei dem es gelang, über 800 Passagiere und Crew-Mitglieder in rund 80 Sekunden aus der Maschine zu bringen. Doch bei diesem Test wussten die beteiligten Personen, was auf sie zukam.

Die stetig höheren Passagierzahlen – sowohl bei Schiffen als auch bei Flugzeugen – folgen einer reinen Kostenbetrachtung. Je größer die Passagierzahl, desto geringer die Kosten je Passagier. Wenn aber eine Evakuierung schon allein aufgrund der Zahl der Passagiere immer schwieriger wird, ist eine Grenze erreicht, die nicht überschritten werden darf. Denn dann wird das damit verbundene Risiko systematisch unterbewertet. In diese Diskussion sollten sich auch die Ingenieure einmischen – sie besitzen das Know-how, die Gesamtkonzeption eines Schiffes oder Flugzeugs zu beurteilen. Denn wie bei der Software-Unterstützung gilt: Man muss die richtigen Fragen stellen. Die Kosten dürfen nicht allein ausschlaggebend sein.

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