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MesseProzesskette Blech im Visier

Auf der Blechexpo stellt der Werkzeugmaschinenbauer Trumpf erstmals auch das Thema Software in den Vordergrund. Dabei geht es vor allem um Aspekte der Fertigungssteuerung, doch die Prozesskette setzt bereits in der Konstruktion mit den auf die eigenen Maschinen abgestimmten CAD/CAM-Modulen an. Zeitgemäß wird auch eine App für den mobilen Zugriff vorgestellt. Der CAD-CAM REPORT sprach darüber mit Tanja Stöhrer, Produktmanagerin Software.
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Messe: Prozesskette Blech  im Visier

CCR: Frau Stöhrer, warum spielt die Software für Trumpf als Maschinenbauer eine so wichtige Rolle?

Stöhrer: Wir betrachten – neben dem reinen Maschinenverkauf – auch alle Prozesse der Blechfertigung aus Sicht unserer Kunden und beziehen dabei auch kaufmännische Aspekte bis hin zur Lagerverwaltung mit ein. Wir bilden deshalb auf der Blechexpo eine automatisierte Prozesskette ab, vom Stanzen oder Laserschneiden über das Biegen und Schweißen bis hin zum Beschriften. Entscheidend ist, dass sich dabei mit unserer Software TruTops Fab zur Fertigungssteuerung die gesamte Produktion vernetzen lässt. Das Plus für den Anwender ist, dass er damit jederzeit Zugriff auf alle relevanten Fertigungsdaten hat.

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CCR: Setzt das System auch schon in der Fertigungsvorbereitung an?

Stöhrer: Ja – es reicht von der Angebotsphase bis hin zur Rechnungsstellung. TruTops Fab ist ein Navigationssystem, mit dem sich der Anwender einen kompletten Überblick von der Kalkulation über Produktion und Lager bis hin zu allen kaufmännischen Aspekten verschaffen kann. Mit einem Blick auf den Monitor lässt sich schnell erkennen, welche Fertigungsaufträge vorliegen und in welchem Status sie sich gerade befinden. Auf diese Weise lassen sich die Prozesse optimieren und die Transparenz steigt – und damit sinken die Durchlaufzeiten.

CCR: Solche Aufgaben werden ja von ERP- und insbesondere MES-Lösungen schon abgedeckt. Warum sollte ich als Anwender dazu nun Ihre Software nutzen?

Stöhrer: Weil wir glauben, dass wir mit unserem Know-how rund um die Blechbearbeitung den Kundenprozess optimal unterstützen können. Dazu kommt ein weiterer, wichtiger Aspekt: Wir können TruTops Fab modular individuell an die Anforderungen unserer Kunden anpassen. Viele von ihnen besitzen beispielsweise nur eine oder zwei Maschinen, so dass sich eine eigenständige MES-Lösung gar nicht lohnt. Auf der anderen Seite lässt sich unser System aber auch in die IT-Landschaft von Konzernen integrieren, die bereits über ERP- und MES-Applikationen verfügen – übrigens bis hin zur Einbindung von Fremdmaschinen. Vom kleinen Lohn- über den innovativen Eigenfertiger bis hin zum großen Konzern können wir also unsere Software entsprechend skalieren und die verschiedenen Prozessstufen abdecken. Das gilt zudem auch für unterschiedliche Nutzungsarten im Betrieb, reicht also vom einfachen Maschinenbediener bis hin zum Prozessverantwortlichen.

CCR: Gehen wir zurück zum Anfang der Prozesskette. Hier bieten Sie ja im Konstruktionsbereich mit TruTops CAD ein eigenes 2D-System an oder unterstützen den Anwender im 3D-Bereich mit dem SheetAdviser dabei, Blechkonstruktionen fertigungsgerecht auszulegen. Was unterscheidet das Trumpf-Angebot von dem der klassischen CAD/CAM-Anbieter?

Stöhrer: Auch hierbei geht es vor allem um die Prozessoptimierung und -unterstützung bei unseren Kunden. Will heißen: Einerseits können wir auf diese Weise natürlich die Fertigungsmöglichkeiten unserer eigenen Maschinen optimal nutzen und unser Blech-Know-how einbringen. Andererseits richten wir uns aber wiederum auch nach der Systemlandschaft bei unseren Anwendern. Wer also mit der Software etablierter CAD/CAM-Anbieter arbeitet, kann dies auch weiterhin tun und dennoch die Vorteile einer durchgehenden Prozesskette Blech nutzen. Wie modular unser Angebot hier ist, zeigt sich unter anderem an TruTops Unfold, mit dem sich 3D-Daten aus anderen Systemen fertigungsgerecht abwickeln lassen. Hier lassen sich neben IGES-, STEP-, ACIS- und Parasolid-Dateien auch Daten aus CAD-Lösungen wie Autodesk Inventor, Pro/Engineer oder Solid Edge und SolidWorks einlesen.

CCR: In welcher Form lassen sich die spezifischen Möglichkeiten einbinden, die die jeweilige Werkzeugmaschine bietet?

Stöhrer: Ein ganz wesentliches Element sind unsere Technologie-Tabellen, in die unser spezielles Blech-Know-how einfließt. Hier sind unter anderem Material- und Werkzeugdaten gespeichert, mit denen beispielsweise automatisch und materialabhängig der ideale Biegeradius festgelegt wird. Abhängig vom gewünschten Bearbeitungsverfahren – Laserschneiden, Stanzen, Biegen oder Schweißen – erhält der Anwender auf diese Weise über unsere Programmiersysteme TruTops Laser, Punch, Bend und Cell jeweils das passende NC-Programm. Zur Blechexpo stellen wir übrigens auch die neuen Versionen unserer Programmiersysteme TruTops 2.2 vor.

CCR: Können Sie dazu schon etwas mehr sagen?

Stöhrer: Generell haben wir die Materialverwaltung und den Schachtler optimiert. Durch Einführung der MiniNest-Funktion kann der Anwender Zeit sparen und zugleich beim manuellen Schachteln das Material noch besser ausnutzen. Dazu lassen sich nun beliebige Teile in verschiedenen Winkellagen als kleine Gruppe auf die Tafel schachteln. Speziell beim Stanzen mit TruTops Punch lässt sich mittels der TwinLine-Funktion für gemeinsame Trennschnitte nun noch mehr Material einsparen und das Programmieren wird effizienter. Somit ist TwinLine besonders spannend für die restgitterfreie Bearbeitung. Zudem können jetzt auch die Reststreifen aufgetrennt und ausgeschleust werden, was zu einer schnellen und sicheren Abfallentsorgung führt und die Prozesssicherheit erhöht. Auf der Blechexpo zeigen wir die restgitterfreie Bearbeitung an der TruPunch 3000. Und ein weiterer Punkt: Wir stellen das Lizensierungsverfahren um: Der Kunde erhält durch eine neue Lizenzverwaltung mehr Flexibilität, weil sich Lizenzen für das mobile Arbeiten ein- und auschecken lassen.

CCR: Gibt es in anderen Bereichen weitere Neuigkeiten auf der Blechexpo zu sehen?

Stöhrer: Ja, etwa unsere Web-basierende Softwarelösung WebCalculation. Die Idee dahinter: Der Kunde lädt die gewünschte Teilegeometrie über die Internetseite seines Lieferanten in die Applikation und kann auf diese Weise umgehend ein Angebot erhalten. Damit entlasten wir den Blechfertiger – also unseren Kunden –, dessen Kunden sich nun selber ein Angebot generieren können. WebCalculation lässt sich dazu einfach in den Internetauftritt des Unternehmens einbinden. Das Modul basiert auf TruTops Calculate, das im Hintergrund läuft. Auf diese Weise werden die jeweiligen Maschinenstundensätze, Arbeitskosten oder Gewinnmargen automatisch bei der Angebotserstellung berücksichtigt, ohne dass unser Kunde selbst eingreifen muss. Auch hier spielen übrigens wieder unsere Technologie-Tabellen eine entscheidende Rolle.

CCR: Bis zu welcher Komplexität lässt sich denn die Angebotserstellung auf diese Weise automatisieren?

Stöhrer: Vollautomatisch wird der gesamte Schneideprozess unterstützt. Wenn beispielsweise stets das gleiche Material gleicher Dicke verwendet wird, bieten wir auch eine Schnelleingabe an. Bei komplexeren Teilen mit nachfolgenden Fertigungsschritten wie etwa Biegen oder Schweißen, empfehlen wir unseren Kunden, ihre Mitarbeiter mit in den Prozess der Angebotserstellung einzubinden. Im Normalfall kann das System aber vollautomatisch arbeiten, so dass ein aussagekräftiges Angebot schnell erstellt ist.

CCR: Ließe sich über eine vergleichbare Softwarelösung auch die NC-Programmierung automatisieren?

Stöhrer: Nein, zumal hier auch noch eine Reihe weiterer Faktoren zu berücksichtigen sind – etwa die Verschachtelung mit weiteren Teilen auf einer Tafel. An dieser Stelle sollte dann doch ein geschulter Programmierer eingreifen, wenn man das Optimum aus den Maschinen herausholen will. Grundsätzlich aber kann der Kunde zwischen verschiedenen Arten der NC-Code-Generierung wählen. Erstens können vorhandene NC-Programme, sogenannte Fixtafeln, verwendet werden. Weiter kann er manuell programmieren oder sich automatisch Schachtelvorschläge erzeugen lassen. Für unsere Lasermaschinen kann unsere Software auch vollautomatisch ein NC-Programm erzeugen.

CCR: Welche Rolle spielen inzwischen mobile Lösungen?

Stöhrer: Mobile Anwendungen werden immer spannender und der Bedarf wird seitens unserer Kunden schon angemeldet. In Kombination mit TruTops Fab zeigen wir deshalb auf der Blechexpo erstmals eine App, mit der sich Produktionsinfos auf Apples iPad abfragen lassen.

CCR: Frau Stöhrer, wir danken für das Gespräch.


Das Interview führte Michael Corban, CAD-CAM REPORT.

Trumpf GmbH + Co. KG, Ditzingen Tel. 07156/303-0, http://www.trumpf.com Blechexpo: Halle 3, Stand 3210

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