smart engineering - Industrie 4.0 aus einer Hand
Home> Market> News> Branchen, Märkte, Ausbildung>

Messe für Metallbearbeitung - Interview zur AMB 2016: Der virtuelle Zwilling kommt

Messe für MetallbearbeitungAMB 2016: Der virtuelle Zwilling kommt

Industrie 4.0 ist in aller Munde. Im Rahmen der Digitalisierung der Industrie werden auch Werkzeugmaschinen einbezogen. Einen Ausblick hierzu wird die Messe AMB im September liefern. Im Gespräch mit Professorin Jivka Ovtcharova vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erklärt die Expertin die Bedeutung des Themas für die Hersteller und Anwender von Werkzeugmaschinen.

sep
sep
sep
sep
Professorin Jivka Ovtcharova und Michael Grethler

PIR:
Professor Ovtcharova, werden wir auf der AMB Werkzeugmaschinen sehen oder Computer mit Spindeln?

Ovtcharova:
In der zerspanenden Fertigung wird es in naher Zukunft genauso aussehen wie in vielen anderen Industrie-4.0-Branchen. Mittels eines virtuellen Abbildes wird es möglich sein, operationale Konzepte der Wertschöpfung einer Werkzeugmaschine in Echtzeit zu validieren. Ein Beispiel ist die manuelle und automatische Bedienung sowie die Konfiguration der Werkzeugmaschine über intuitive Mensch-Maschinen-Schnittstellen wie Web-Oberflächen oder haptische Interaktionsgeräte. Eine umfassende Simulation der tatsächlichen Bewegung der Werkzeugmaschine wird es ermöglichen, das virtuelle 3D-Werkzeugmaschinenmodell über die Software der Steuerung auszuführen. Weiterhin wird es möglich sein, eine abschließende Validierung vor der Bearbeitung durchzuführen, was den Zeitaufwand für die Probedurchläufe auf der realen Werkzeugmaschine enorm verkürzt.

Anzeige

PIR:
Mit welchen Auswirkungen auf Produktivität und Wirtschaftlichkeit?

Ovtcharova:
Eine Wertschöpfung wird nur dann erreicht, wenn ganzheitlich die Prozesse mit all ihren Daten berücksichtigt werden. Hierzu werden Daten wie Energiedaten, Störungsmeldungen oder Werkzeugdaten aus der Maschine benötigt. Hinzu kommen Daten aus der Logistik und technische Informationen wie Schnittdaten et cetera. Das Verschmelzen realer Maschinen und virtueller Abbildungen ermöglicht eine Annäherung an die Vision der automatisierten, vernetzten virtuellen Inbetriebnahme eines ganzen Betriebes.

PIR:
Auf der Messe präsentieren sich auch Anbieter von Software & Engineering. Welche Aufgaben kommen speziell auf die Softwareentwicklung für Industrie-4.0-fähige Werkzeugmaschinen zu?

Professor Dr.-Ing. Dr. Dr. h. c. Jivka Ovtcharova

Ovtcharova:
In der zerspanenden Fertigung ist das IT-Systemnetzwerk das Herzstück einer Industrie-4.0-Lösung. Orchestriert wird dieses Netzwerk durch das Tool Lifeycle Management als Interplayer an der Schnittstelle zwischen Planung und realer Fertigungswelt. Dadurch können sowohl die in der Planung als auch in der Fertigung anfallenden Daten erfasst und für eine Analyse zugänglich gemacht werden. Die Prozesse werden kontinuierlich, quasi „in the loop“, verbessert. Offene Programmierschnittstellen (APIs), mit denen Drittentwickler auf die Möglichkeiten von Webservices zugreifen können, sind eine treibende Kraft im Industrie 4.0-Umfeld.
Die vergleichsweise geringe Begeisterung in der Fertigungsindustrie für offene Schnittstellen führe ich auf datenschutzrechtliche und urheberrechtliche Bedenken zurück, die zwar verständlich, aber nicht mehr zeitgemäß sind. Offene Schnittstellen sind eine langfristige Investition, bei der kurzfristig eigenes Know-how kostenfrei abgegeben, langfristig dadurch jedoch eine enorme Erhöhung von Reichweite, Bekanntheit und Marktpotenzial erreicht wird.

PIR:
Der Hersteller DMG Mori präsentiert mit Celos eine App-basierte Nutzeroberfläche. Welche Anforderungen an die Software ergeben sich aus solchen neuen Human Machine Interface (HMI)-Ansätzen?

Ovtcharova:
Celos steht für App-basierte Nutzungsoberflächen, die so einfach und intuitiv bedienbar wie bei einem Smartphone sind. Insgesamt sind mobile Anwendungen innerhalb der Industrie 4.0 als HMI-Technologie gefragter denn je, denn einerseits bauen diese auf den bestehenden Erfahrungen im normalen Leben auf und setzen keine neuen Bildungsmaßnahmen voraus. Andererseits bieten Smart Devices aufgrund ihrer Verfügbarkeit und ihrer Leistungsfähigkeit neue Möglichkeiten für HMI-Lösungen. Für die Realisierung industrietauglicher Apps stehen verschiedene Ansätze zur Verfügung, die je nach Anwendungsszenario spezifisch einzusetzen sind.
Die neueste Entwicklung zeigt jedoch, dass die Inhalte zunehmend von ihrer Erstellung und ihrem Ursprung entkoppelt werden, sie „atomisieren“ sich ebenso wie die Services. Was bedeutet dies für die Entwicklung teurer Apps? Werden sie auf lange Sicht verschwinden? Wieviel weitere Celos-Apps werden noch angeboten? Langfristig wird sich der Trend zur „Atomisierung“ ausweiten. Dienste werden sich um Nutzungsszenarien scharen, um den Menschen kontextsensitive und personalisierte Informationen anzubieten. Dadurch wird der Grad der intuitiven Bedienung auch im Industriekontext rapide steigen. Die Komplexität der Maschinen wird für die Menschen unsichtbar.

PIR:
Wenn der gesamte Produktentstehungsprozess virtuell abgebildet wird, wie muss Software für die Fertigung aussehen?

Ovtcharova:
Der Trend zum virtuellen Abbild im Kontext von Industrie 4.0 setzt eine funktionsfähige, interoperative Prozess- und IT-Systeminfrastruktur voraus. Das Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0 (Rami 4.0) von VDI, VDE und ZVEI sorgt aktuell für Verortung von Normen, Standards, Use-Case-Inhalten und Beziehungen. Es bildet die Grundlage für Ableitung von Regeln für Industrie-4.0-Implementierungen. Die Industrie-4.0-Komponente im Rami 4.0 ermöglicht die Kommunikation von realen Objekten in der Produktion mithilfe virtuell vernetzter Objekte und Prozesse. Als Enabler der bidirektionalen Assoziativität tritt das virtuelle Abbild auf. Dieses ist für die echtzeitfähige Handhabung und Ausführung von Prozessschritten über den gesamten Lebenszyklus zuständig.

PIR:
Datensicherheit und Know-how-Schutz sind wichtige Themen der diesjährigen AMB. Was sind die wichtigsten Maßnahmen, um sich abzusichern?

Ovtcharova:
Die beste Sicherheits-Software kann durch eine schwache Umsetzung bei den Kunden wirkungslos gemacht werden. Verschlüsselungstechnologien bringen nichts, wenn Anwender sie nicht nutzen. Mitarbeiter sind häufig die größte Schwachstelle in der Sicherheitsstrategie eines Unternehmens. Daher ist zu empfehlen, nicht nur in den Schutz des physischen Zugangs zu Servern und Netzwerk-Hardware im Unternehmen zu investieren, sondern auch in die Absicherung der Software und insbesondere in die Schulung der Mitarbeiter. -sg-

Landesmesse Stuttgart, Stuttgart, Tel. 0711/18560-0, www.messe-stuttgart.de/amb

Diesen Artikel …
sep
sep
sep
sep
sep

Weitere Beiträge zum Thema

Messe für Metallbearbeitung: AMB started mit Rekordbeteiligung

Messe für MetallbearbeitungAMB started mit Rekordbeteiligung

Bei strahlendem Sonnenschein eröffnete Ulrich Kromer, Chef der Messe Stuttgart, die AMB, internationale Ausstellung für Metallbearbeitung. Wieder ist die Messe komplett ausgebucht. Erstmals wuchs deshalb ein Messestand auf drei Etagen. Ab 2018 soll eine zusätzliche Messehalle die Situation deutlich entspannen. Die AMB erwartet vom 16. bis 20. September 2014 gut 90.000 Besucher, das wäre ein neuer Rekord.

…mehr
Messe für Metallbearbeitung: AMB: Messe für Metallbearbeitung

Messe für MetallbearbeitungAMB: Messe für Metallbearbeitung

Die Werkzeugmaschinenbranche sieht sich einer Vielzahl von Entwicklungen ausgesetzt, die die Investitionsentscheidungen ihrer Kunden beeinflussen. Neben den weiterhin dominierenden Themen Industrie 4.0 und Effizienzverbesserung geht es außerdem um die Themen: Hybridisierung der Maschinen, Software und IT-Sicherheit, zunehmende Intelligenz der Maschinenperipherie sowie die Simulation kompletter Bearbeitungsvorgänge. Antworten auf die komplexen Anforderungen liefert die AMB, die internationale Ausstellung für Metallbearbeitung, vom 16. bis 20. September 2014 in Stuttgart.

…mehr

Weitere Beiträge zu dieser Firma

News: MouldingExpo erfolgreich: Erste Halle bereits belegt

NewsMouldingExpo erfolgreich: Erste Halle bereits belegt

Vor sechs Wochen hatte die Messe Stuttgart erstmals bekannt gegeben, dass im kommenden Jahr die MouldingExpo (5. bis 8. Mai 2015), Internationale Fachmesse Werkzeug-, Modell- und Formenbau, in Stuttgart Premiere feiert.  Eine Nachricht mit sehr positiver Resonanz in der Branche: nach aktuellem Stand gibt es bereits über 100 Zusagen, daneben existieren etliche konkrete Standflächenanfragen und eine Vielzahl an Interessensbekundungen.

…mehr
Aussteller der IT & Business

IT-MesseIT & Business: Industrie 4.0 anschaulich und verständlich

Die digitale Transformation und Industrie 4.0 sind bereits in der realen Welt angekommen. Unternehmen stehen damit vor tief greifenden Veränderungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

…mehr

Weitere Beiträge in dieser Rubrik

Arbeitsleben 4.0: Zukunftsfähige Unternehmenskultur

Arbeitsleben 4.0Zukunftsfähige Unternehmenskultur

Mitarbeiter haben heute andere Prioritäten als frühere Generationen vor ihnen. Schlagworte wie Agilität, Dynamik, Selbstverwirklichung und Work-Life-Balance haben eine viel größere Relevanz als vormals. Das war für die SPI GmbH aus Ahrensburg Ansporn am Audit "Zukunftsfähige Unternehmenskultur" teilzunehmen, das der IT-Systemberater nun abgeschlossen hat.

…mehr
Anzeige
Anzeige

Anzeige - Highlight der Woche

COSCOM Digital-PROZESS Meetings

Einladung zu COSCOM Digital-PROZESS Meetings

Mehr Profit vor dem Span! COSCOM connected …

… Manufacturing: CNC-Prozesse optimieren!

… Tool-Management: Rüstprozesse beschleunigen!

… Prozess-Management: Durchgängige Daten bis an die Maschine!

Aktuelle Termine und Orte hier

Anzeige - Highlight der Woche

Aras Whitepaper: Internet of Things - Kontext statt Chaos


Hier stellt Ihnen das Unternehmen Aras das Highlight der Woche vor.

White Paper jetzt kostenlos herunterladen!

Mediadaten 2018

Anzeige

White Papers auf smart engineering


In unserer neuen White Paper Sektion finden Sie lösungsorientierte White Paper unserer Partner zu IT-Standards, Anwendungshinweisen, Leistungsübersichten uvm. Jetzt kostenfrei downloaden.

Künstliche Intelligenz: Forschungsroboter “Roboy“ und Martina Mara

Video- Künstliche Intelligenz: Forschungsroboter “Roboy“ und Martina Mara


Welche Wirkung hat der Anblick von Robotern auf Menschen? Mit dieser Frage befasst sich das Team um Professor Markus Appel vom Campus Landau in einem aktuellen Forschungsprojekt. Mit ihrer Studien wollen die Forscher herausfinden, inwieweit wir Menschen künstliche Intelligenz als helfende Hand im Alltag akzeptieren oder ablehnen.

smart engineering in Social Networks

smart engineering Newsletter

smart engineering Newsletter kostenfrei abonnieren

Unser Newsletter informiert Sie über die wichtigsten Neuigkeiten, Produktentwicklungen und Trends aus der Branche. Jetzt kostenlos registrieren.

SCOPE Newsticker