  Echtzeit-Simulation auf dem Desktop-PCDie 19-Zoll-Lösung vCore Extreme ist mit 16 Grafikkarten bestückt und ... Forscher am Fraunhofer-IGD in Darmstadt haben einen Weg gefunden, Simulationen in Echtzeit zu rechnen. Das erlaubt den Anwendern, interaktiv mit der Simulation zu arbeiten und eine Vielzahl von denkbaren Entwurfsvarianten bereits in frühen Phasen der Entwicklung ‚durchzuspielen‘. Möglich machen das einerseits an die Aufgabenstellung angepasste Modelle mit reduzierter Komplexität, andererseits die Rechenkapazität moderner Grafikkarten. Der Vorteil dabei: Mit solch einem kostengünstigen Grafikprozessor (GPU) ist nahezu jeder Ingenieurs-Arbeitsplatz ausgestattet.
      „Seit kurzer Zeit trägt unsere Abteilung den Namen ‚Interaktive Engineering Technologien‘ – unser Augenmerk liegt vor allem auf interaktiven Lösungen“, berichtet Prof. André Stork vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (Fraunhofer-IGD). „Wir konzentrieren uns beispielsweise nicht auf die klassische Simulation sondern vielmehr darauf, wie man diese beschleunigen kann, um interaktive Tendenzanalysen zu fahren.“ Die Darmstädter zielen damit auf den Einsatz in den frühen Phasen der Produktentwicklung. Je früher und je umfangreicher sich die Simulationsmöglichkeiten nutzen lassen, desto mehr Entwurfsvarianten können die Ingenieure bewerten – was letztlich zur Entwicklung eines optimierten Produkts führt.
Ein interessantes Beispiel ist die interaktive 2D-Strömungssimulation. Mit wenigen Mausklicks kann der Anwender hierbei ein Profil definieren und die Rechnung starten. Der Trick dabei: Das Profil lässt sich beliebig oft modifizieren – und umgehend der Effekt auf die Strömung direkt erkennen. (siehe http://youtu.be/Hu7Dv45LRrw). Um solchermaßen mit einem Entwurf zu ‚spielen‘, sind zwei Aspekte von Bedeutung:
die Genauigkeit der Simulation und
die zur Verfügung stehende Rechenkapazität – sowohl hinsichtlich der Hard- als auch der Software.
„Betrachtet man die Anforderungen an die Genauigkeit, so können wir in vielen Fällen in den frühen Entwicklungsphasen mit vereinfachten Modellen arbeiten, sowohl bei der 2D- als auch der 3D-Simulation“, erläutert Stork. „Denn hier wollen wir zunächst ja nur Tendenzen erkennen, um die Varianten zu bestimmen, die anschließend detaillierter analysiert werden sollen.“ Die Echtzeit-Simulation ist also nicht gedacht etwa für die Betrachtung der Aerodynamik eines Fahrzeugs im späten Entwicklungsstadium, wenn die Simulationsergebnisse zu mehr als 95 Prozent mit den gemessenen Werten im Windkanal übereinstimmen müssen. Klar ist aber auch: Änderungen in diesem späten Stadium werden teuer – besser ist es also, Optimierungspotenziale frühzeitig zu erkennen. Dafür genügen häufig weniger komplexe Simulationen, bei denen beispielsweise die Grenzschicht noch nicht mit hoher Genauigkeit aufgelöst werden muss.
Grafikprozessoren liefern Rechenkapazität
„Hinsichtlich des zweiten Aspekts, der Frage nach der Rechenkapazität, ist in den letzten Jahren ein interessanter Wandel zu erkennen“, fährt der Fraunhofer-Forscher fort. „Vor ein paar Jahren galt die eigentliche Simulationsrechnung als Flaschenhals, die grafische Darstellung war kein Problem. Das hat sich mit dem zunehmenden Einsatz von Clustern – auch in mittelständischen Unternehmen – verändert.“ Damit seien auch die Datenvolumina explodiert, die Rechnungen immer komplexer geworden, so dass nun die Grafik zum Flaschenhals werde – trotz leistungsfähigerer Software.
„Diese reine Visualisierung konnten wir durch den Einsatz programmierbarer Grafikkarten erheblich beschleunigen“, so Stork weiter. Die so genannten GPUs (Graphics Processing Units) moderner Grafikkarten rechneten bei Aufgaben dieser Art im Schnitt fünf bis zehn Mal so schnell wie die verfügbaren CPUs. „In Kombination mit der reduzierten Komplexität bei der Echtzeit-Simulation ließ sich dieses Know-how zudem nutzen, um die eigentliche Simulation auf der Grafikkarte laufen zu lassen.“ Der Vorteil: Die GPUs eignen sich mit ihren mehreren hundert Rechenkernen insbesondere für gut parallelisierbare Berechnungen – und dazu gehören neben Darstellungsaufgaben vor allem Simulationsrechnungen. „Zunächst haben wir uns darauf konzentriert, zu erkunden, welche Möglichkeiten eine GPU bietet“, erinnert sich der Darmstädter Forscher. „Der treibende Gedanke dabei war, dass sich entsprechend ausgestattete Rechner an fast allen Ingenieurs-Arbeitsplätzen finden – und damit zahlreiche Anwender die Echtzeit-Simulation ohne Investitionen in entsprechende Hardware nutzen können.“ Zudem biete die GPU gegenüber einem herkömmlichen Rechen-Cluster, zu dem man nur begrenzten Zugang habe, einen deutlichen Vorteil: „Kann ich beispielsweise zehn Mal mehr Produktkonfigurationen auf meiner Grafikkarte durchführen, bin ich schon einen entscheidenden Schritt weiter!“
Inzwischen sind am Fraunhofer-IGD bereits eine Reihe von Anwendungen entwickelt worden, die allein mit der Rechenkapazität einer Grafikkarte auskommen. Neben den bereits eingangs erwähnten 2D-Strömungen um Profile gehören dazu auch 3D-Strömungen um Flugkörper (beide allerdings ohne Grenzschichteffekte), bei denen einerseits die Strömung in einem bestimmten Schnitt zweidimensional angezeigt wird oder – analog zu Rauch in einem Windkanal – Stromlinien dreidimensional zu erkennen sind. Daneben bietet sich die Strukturmechanik an, vor allem im Bereich elastischer Materialien. Dazu zählen beispielsweise Dichtungen, deren Verhalten unter Last sich auf diese Weise sehr anschaulich analysieren lässt, oder Schaumstoffe. Zukünftig wird auch die Temperaturverteilung ein Thema sein, beispielsweise in Schaltschränken oder Steuerungen, um Probleme durch Überhitzung von vornherein auszuschließen. Hinzu kommt die Interaktion von flüssigen Medien mit den entsprechenden Behältern, etwa das Schwappen von Kraftstoff im Tank. Anwendungen könnten sich auch im Bereich der Medizintechnik finden, um beispielsweise das Verhalten von menschlichem Gewebe zu untersuchen. In der Vergangenheit wurde die Größe einer Simulation im Wesentlichen durch den zur Verfügung stehenden Speicher auf der Grafikkarte begrenzt. Heute ständen maximal 6 GB RAM zur Verfügung, erläutert Stork. „Wollte man größere Probleme rechnen, müsste man also Daten zur und von der Grafikarte schaufeln – mit entsprechenden Leistungseinbußen aufgrund der geringeren Busgeschwindigkeit.“ Bei der angestrebten Echtzeit-Simulation, bei der man ja interaktiv arbeiten will, war das bislang kein gangbarer Weg.
GPU-Cluster bieten künftig zusätzliches Potenzial
Grafikkarten-Anbieter wie Nvidia arbeiten allerdings an Lösungen, GPU-Cluster zu unterstützen. Mit Version 4.0 des CUDA-Toolkits (Compute Unified Device Architecture, mit der sich die Nvidia-GPUs softwareseitig ansprechen lassen), werden beispielsweise per GPUDirect 2.0 die Peer-to-Peer-Kommunikation zwischen verschiedenen GPUs in einer Workstation ermöglicht und per Unified Virtual Adressing der Hauptspeicher des Systems und der GPU-Speicher zu einem Speicheradressraum zusammengefasst. Am Fraunhofer-IGD wird deshalb derzeit ein entsprechender GPU-Cluster aufgebaut; Darmstadt zudem ein CUDA Competence Center. Darüber hinaus arbeiten auch Fraunhofer-intern Experten daran, solche GPU-Verbünde über eine entsprechende Middleware noch effizienter zu nutzen. Noch weiter in die Zukunft gedacht, verfolgen die Fraunhofer-Forscher darüber hinaus eine Entwicklung mit großem Interesse, „die Integration von CPUs und GPUs in einem Chip“, berichtet Stork. „Das wird schnelle Transferraten mit sich bringen und kann sich positiv auf unsere Echtzeit-Simulation auswirken.“
Doch bereits die heute verfügbare Hardware lässt sich für eine Vielzahl von Problemen erfolgreich einsetzen. „Entscheidend ist letztlich immer, welche Genauigkeit wirklich erforderlich ist“, so Stork abschließend. Bislang gebe es seitens der Berechnungsingenieure die Tendenz, mit steigenden Rechenkapazitäten vor allem komplexere Modelle zu simulieren. Das mache insbesondere in frühen Entwicklungsphasen nicht immer Sinn, denn die Zahl der Freiheitsgrade lasse sich durchaus oft reduzieren, um nicht mehr Stunden auf Ergebnisse warten zu müssen. „Im Gegenzug erlaubt dies in der Kombination mit den GPUs das interaktive Arbeiten mit der Simulation!“
Michael Corban, CAD-CAM REPORT
Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung, Darmstadt Tel. 06151/155-0, http://www.igd.fraunhofer.de Ansprechpartner für das Thema Echtzeit-Visualisierung: Dipl.-Inform. Daniel Weber, Tel. 06151/155-202 Simulation profitiert von Grafikleistung
Mit der Vorstellung der aktuellen Quadro-Grafikkarten von PNY hat Nvidia die Entwicklung der so genannten ‚computational GPU’ fortgeführt. Solche frei programmierbaren GPUs können nicht mehr nur feste Funktionen ausführen (etwa ‚zeichne eine Linie von A nach B’), sondern auch besonders rechenintensive, parallelisierbare Aufgaben erledigen. Damit eignen sie sich insbesondere für Finite-Elemente-Berechnungen. Softwareseitig steht Applikationsentwicklern dazu das CUDA-Toolkit (Compute Unified Device Architecture) zur Verfügung. Nach Angaben von Nvidia behandeln inzwischen mehr als 350 Universitäten dieses Thema in der Lehre und nutzen es für eigene Applikationen.
Hardwareseitig lässt sich die Leistungsfähigkeit der GPUs bei parallelisierbaren Berechnungen verstehen, wenn man sich vor Augen hält, dass auch bei heute aktuellen CPUs solche mit zwei, vier oder mehr Prozessor-Kernen dominieren. Die leistungsstärkste Grafikkarte von Nvidia-Vertriebspartner PNY, die Quadro 6000, besitzt dagegen einen Grafikprozessor mit 448 Kernen. Wird also die GPU von der Simulationssoftware angesprochen, können die entsprechenden Rechenaufgaben wesentlich schneller abgearbeitet werden.
Weiter steigern lässt sich die verfügbare Rechenleistung mit den so genannten Tesla-Karten von PNY. Dabei handelt es sich sinngemäß um Grafikkarten ‚ohne Grafik‘ – will heißen: In einer Workstation lassen sich zusätzlich zu einer Quadro-Karte (die den Grafik-Part übernimmt) mehrere Tesla-Karten verbauen. Es entsteht ein GPU-Cluster mit entsprechend höherer Leistungsfähigkeit, wobei an dieser Stelle dem Datenaustausch zwischen den GPUs eine hohe Bedeutung zukommt. Insbesondere das CUDA-Toolkit 4.0 unterstützt solche Konstellationen (siehe Beitrag). Interessant ist auch die 19-Zoll-Lösung vCore Extreme, die mit 16 Grafikkarten bestückt wird und sich damit wie eine einzige Grafikkarte ansprechen lässt – aber eben mit einer theoretisch 16-fach höheren Leistung.
Die Quadro-Karten gibt es zudem auch für Anwender mit geringeren Ansprüchen an die Leistungsfähigkeit. Neben der Quadro 6000 mit 6 GB RAM bietet Nvidia auch die Modelle Quadro 4000 und 5000 an. Die Quadro 4000 ist mit 2 GB RAM und 256 Prozessor-Kernen ausgestattet, die 5000er mit 2,5 GB und 352 Kernen. Speziell für Anwendungen im Bereich der medizinischen Diagnostik ist zudem seit Anfang des Jahres die Quadro 2000D verfügbar. -co-
Nvidia GmbH, Würselen Tel. 02405/478-0, www.nvidia.de/quadro
Vertriebspartner für die Quadro- und Tesla-Karten: PNY Technologies Quadro GmbH, Würselen Tel. 02405/40848-0, www.pny.eu WebGL-Anwendungen für 3D-Applikationen
Am Fraunhofer-IGD bearbeitet man neben dem Thema der Echtzeit-Simulationen eine Reihe weiterer Fragestellungen. Interessant hinsichtlich der Zunahme mobiler Geräte und Anwendungen ist die Nutzung der WebGL-Funktionalität (Web Graphics Library), mit der sich 3D-Inhalte visualisieren lassen. Nach Angaben der Forscher sind dabei zwei Anwendungsbereiche von besonderem Interesse: • die Visualisierung von Simulations- daten in verfügbaren Viewern sowie
- Aufrechterhaltung des Know- how-Schutzes.
Gerade der letzte Punkt dürfte für viele innovationsgetriebene Unternehmen von Bedeutung sein. Ein 3D-Modell, das man verschicke, sei ‚im Prinzip weg‘, so die Darmstädter. Gelänge es, auch komplexere Modelle an einen Internetclient zu streamen, ließen sich die Daten besser schützen. Die Musikindustrie mache das vor. Über weitere Details wird der CAD-CAM REPORT im nächsten Jahr berichten. Diesen Artikel bookmarken bei Wie funktioniert Bookmarken?Mit so genannten “Social Bookmarks” können Sie Links auf interessante Webseiten mit anderen Nutzern teilen. |  |  | |  | Externe Nutzung / NutzungsrechteWenn Sie auf diesen Beitrag von PLM IT Business online verlinken möchten, können Sie einfach und kostenlos folgenden HTML-Code in Ihre Internetseite einbinden: |
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