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Editorial, 01-2009

Zahlenschummeleien

»Business Intelligence und gesunder Menschenverstand«

Keiner weiß etwas Genaues. Und alle machen betretene Gesichter. Wie die »vergifteten Wertpapiere« die Bilanzen infizieren konnten, ist angeblich vollkommen unklar. Warum die Alarmglocken erst Sturm läuteten, als bei den Banken schon alles zusammenbrach, verlangt nach Aufklärung. In allen gut geführten Unternehmen werden permanent Kennzahlen zusammengetragen und in IT-Systemen – meist ERP-Software (Enterprise Resource Planning) hinterlegt. Hier kommt dann auch Business Intelligence (BI) ins Spiel. Der Begriff beschreibt laut Definition »Verfahren und Prozesse zur systematischen Analyse, das heißt das Sammeln, Auswerten und Darstellen von Daten in elektronischer Form. Immer mit dem Ziel, dass Erkenntnisse gewonnen werden, die es Unternehmenslenkern ermöglichen, bessere operative oder strategische Entscheidungen zu treffen.« Dies geschieht mit Hilfe analytischer Konzepte und IT-Systemen, die Daten über das eigene Unternehmen, die Mitbewerber oder Marktentwicklung im Hinblick auf den gewünschten Erkenntnisgewinn auswerten. Mit den gewonnenen Erkenntnissen können Unternehmen ihre Geschäftsabläufe, Kunden- und Lieferantenbeziehungen profitabler machen, Kosten senken, Risiken minimieren und die Wertschöpfung vergrößern. Die Werkzeuge hierzu stehen längst bereit. Sie müssen allerdings auch genutzt werden und mit verlässlichen Daten gefüttert werden. Erst dann kann Business Intelligence seine volle Wirkung entfalten.

Sofern es auch wirklich gewünscht ist. Denn letztlich ist immer der Mensch dafür verantwortlich, was die Technik produziert. Und Technikverliebtheit ist gefährlich, wenn sie nicht kritisch beäugt wird. Es passieren immer dann Fehler, wenn sich alle auf Technik und Automatismen verlassen und den gesunden Menschenverstand ausschalten. Oder auch genügend kriminelle Energie vorhanden ist, um Kontrollmechanismen zu umgehen. Bei den Banken, die sich verzockt haben und nun auf Staatshilfe zählen, waren sicherlich alle möglichen IT-Systeme im Einsatz. Geholfen hat es wenig, denn die Zahlenkolonnen, die unter anderem in Bilanzen flossen, waren so »optimiert«, dass sie für Entscheidungsfindungen vollkommen nutzlos waren. Dann hilft auch keine ERP-Software und Business Intelligence.

Denn eines wird immer wieder deutlich: Kontrollmechanismen sind genauso zwingend erforderlich wie gesunder Menschenverstand: Die Technik ist immer nur so gut wie die Menschen, die sie bedienen.

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